Monat: Juli 2017

Gedanken zu „sola scriptura“

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Evangelische Christen halten sehr viel von „sola scriptura“, dem Prinzip, dass die Bibel eine ganz einzigartige Autorität hat. Dies wird zum Beispiel in der Glaubensbasis der Evangelischen Allianz deutlich, wo es heißt:

Wir bekennen uns […] zur göttlichen Inspiration der Heiligen Schrift, ihrer völligen Zuverlässigkeit und höchsten Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung.

„Sola scriptura“ heißt, dass ich als evangelischer Christ durch mein Gewissen gebunden bin, gehorsam nach dem zu leben, was ich aus der Bibel als Willen Gottes verstehe, und dies nicht von weiteren, externen Autoritäten abhängig zu machen. Das klingt ganz gut, wird aber vor allem dann spannend, wenn wir als Christen eben unterschiedliche Interpretationen desselben Texts haben und uns gegenseitig zugestehen müssen, dass jeder von uns zunächst einmal nach seinem Verständnis leben muss, wenn er dem Prinzip „sola scriptura“ treu bleiben möchte.

Trotzdem gibt es ein paar Punkte, die uns in dem dadurch entstehenden Dilemma weiterhelfen könnten:

  1. Ich vertraue auf den Heiligen Geist, der in mir wohnt, und dessen Aufgabe es ist, mich in alle Wahrheit zu leiten. Ich vertraue darauf, dass er mir hilft und mir Verständnis schenkt. Im Vertrauen auf diesen Beistand setze ich alles daran, den biblischen Text in seinem sprachlichen, kulturellen und zeitlichen Hintergrund so genau wie möglich zu verstehen, um darin die Brücken zu entdecken, die den Text für die heutige Zeit relevant machen.
  2. Ich lebe in Gemeinschaft mit anderen, geisterfüllten Christen. Im gemeinschaftlichen Ringen um die Wahrheit können wir voneinander lernen und so miteinander wachsen und Christus ähnlicher werden.

 

Über Mauern springen

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Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.
Mit meinem Gott bleib ich nicht vor Mauern stehn.
Mit meinem Gott darf ich im Glauben überwinden.
Mit meinem Gott kann ich weitersehn.

Und ist die Mauer stark und hoch,
türmt sich gefährlich vor mir auf,
so weiß ich: Gott ist stärker noch,
zieht mich zu sich hinauf.

Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.
Mit meinem Gott bleib ich nicht vor Mauern stehn.
Mit meinem Gott darf ich im Glauben überwinden.
Mit meinem Gott kann ich weitersehn.

Und wenn ich ihn dann nicht mehr sehe,
die Mauer meinen Blick beschränkt,
So weiß ich Gott dahinterstehen,
mit starken Armen mich auffängt.

Denn wenn Gott für uns ist,
wer kann noch gegen uns sein?
Selbst wenn wir vor Mauern stehn,
wir sind nie allein!

Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.
Mit meinem Gott bleib ich nicht vor Mauern stehn.
Mit meinem Gott darf ich im Glauben überwinden.
Mit meinem Gott kann ich weitersehn,
bleib ich nicht mehr stehn,
darf immer weitergehn,
mit meinem Gott kann ich weitersehn.

[Matthias Hess, geschrieben zum ökumenischen Stadtfestgottesdienst 2017]

Gebet um Sanftmut

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Heiliger Geist,
komm, lass die Frucht der Sanftmut
in mir wachsen.

Sanft bin ich schon manchmal,
vielleicht zu sachte und zurückhaltend.
Gib mir den Mut, den Mund aufzumachen,
auch wenn es nicht allen gefällt;
meine Hände aufzumachen,
um Andersdenkende zu umarmen
und mein Herz aufzumachen,
wenn es sich einmauern will.

Mut habe ich schon manchmal,
vielleicht zu stürmisch und unüberlegt.
Gib mir die Sanftheit,
andere nicht nur zuzutexten,
sondern zu hören, was zwischen den Zeilen gesagt wird;
anderen meine Position nicht über den Kopf zu hauen,
sondern zu verstehen, was sie antreibt;
nicht nur für meine Position überzeugend einzustehen,
sondern von anderen zu lernen.

Sanftmut
würde helfen Brücken zu bauen,
statt Gräben zu vertiefen.

Heiliger Geist,
komm, lass die Frucht der Sanftmut
in mir wachsen.

Über Christoph

Christoph Fischer (* 1978) ist seit mehr als 15 Jahren im hauptamtlichen pastoralen Dienst, zuletzt bei der Volksmission Freudenstadt. Ab August 2018 wechselt Christoph in den Pfarrdienst der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Christoph ist verheiratet mit Rebecca. Gemeinsam haben sie drei Töchter, Ann-Céline (* 2005), Emma (* 2007) und Pia (*2012).