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Ach, Herr!

Ich bin im Auftrag des Herrn unterwegs

29.07.2018, 10:00 Uhr, Pauluskirche Tailfingen: Begrüßungsgottesdienst
Image: Rebecca Dernelle-Fischer
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Die Predigt "Ach, Herr!" von Christoph Fischer und alle dazu gehörigen Ressourcen (Predigtzettel, Aufnahme) sind lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz. Verwendete Bilder stehen eventuell unter eigenen Lizenzbedingungen. Ausdrücklich von der Creative Commons-Lizenz ausgenommen sind die Logos und Namen der Gemeinde, in der die Predigt gehalten wurde (Pauluskirche Tailfingen) und ihrer Arbeitsbereiche.

Jeremia 1,4-10

Ich weiß mich von Gott gerufen — nicht nur als Pfarrer, sondern auch einfach als Mensch, den Gott mit Verantwortung in diese Welt stellt: Ich bin im Auftrag des Herrn unterwegs. Da kann ich mich an vielen Stellen aber auch gut mit Jeremia identifizieren, der nicht gleich begeistert aufspringt, als Gott in ruft. Warum und wie ich trotzdem weitermache, darum geht es in dieser Predigt.

Hauptpunkte der Predigt

Gottes Antwort auf meine Bedenken

  1. Hab keine Angst.
  2. Lass mich durch dich reden.
  3. Vergiss nicht, dass du in meinem Auftrag unterwegs bist.

Fragen zur Vertiefung

Zu dieser Predigt hat Christoph eine Reihe von Fragen hinterlegt, die in der Kleingruppe zur Vertiefung weiter besprochen werden können:

  1. Wo siehst du dich von Gott berufen? Woher weißt du das? Wo bestätigt sich das?
  2. Was fordert dich heraus, in Gottes Auftrag zu leben und zu handeln? Siehst du bei dir Ähnlichkeiten zu Jeremia?
  3. Wie passt Gottes Antwort an Jeremia zu deinen Herausforderungen? Was würde er wohl zu dir sagen?

Einleitung

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Schwestern, liebe Brüder, mit diesem Segen habe ich mich von meiner letzten Gemeinde verabschiedet und mit diesem Segen möchte ich heute gerne hier beginnen. Das wünsche ich mir für unsere gemeinsame Zeit hier in Tailfingen. Und mit diesem Zuspruch Gottes lese ich uns den heutigen Predigttext aus dem Buch des Propheten Jeremia, ganz am Anfang, im ersten Kapitel, die Verse 4 bis 10.

Und des HERRN Wort geschah zu mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.  Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR. Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, daß du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen. (Jeremia 1,4-10)

Herr, hilf uns durch deinen Heiligen Geist, dein Wort zu hören, zu verstehen und zu leben!

Hoffnungsvolle Anfänge

Ein hoffnungsvoller Anfang: Irgendwo in Illinois, USA, ca. 1980: Zwei gestrandete Existenzen werden mit der Notlage von anderen konfrontiert und wollen helfen. Das Problem dabei: Gebraucht wird Geld — und natürlich haben sie keinen einzigen Cent. Nach langem ergebnislosem Überlegen findet sich die rettende Antwort am Ende in einer Kirche: Während des Gottesdienstes haben die beiden plötzlich eine Art Vision: Es scheint, als leuchte ein Licht vom Himmel direkt auf sie und Gottes Stimme spräche mitten in ihre Situation hinein. Von diesem Moment an sind die beiden Brüder auf einer — so verstehen sie es — himmlischen Mission. Wer den 1980 veröffentlichten Kultfilm „Blues Brothers“ gesehen hat, der weiß, in welche komischen Situationen Jake und Elwood Blues in der Folge geraten. Aber egal was passiert, nichts kann sie beirren, denn eines halten sie ganz fest: „Wir sind im Auftrag des Herrn unterwegs“.

Ein hoffnungsvoller Anfang: Anatot bei Jerusalem, Israel, ca. 627 vor Christus: Ein junger Mann in Israel hört plötzlich Gottes Reden. Als Mitglied einer Priesterfamilie ist er nicht einfach irgendjemand, sondern sicher ganz gut geeignet, Gottes Sprachrohr bei den Mächtigen zu sein. Gott, der redet und ihn sendet, der kennt ihn schon vom Mutterleib an. Gott hat ihn vorbereitet und hält ihn für den Richtigen. Das will doch etwas heißen! Egal, was jetzt noch passieren mag, eines weiß Jeremia schon einmal: „Ich bin im Auftrag des Herrn unterwegs.“

Ein hoffnungsvoller Anfang: Tailfingen, 2018. Ein neuer Pfarrer für die Erlöserkirche. Einer mit einer Vorgeschichte–von der Freikirche zur Landeskirche, das gibt es nicht jeden Tag. „Ich bin im Auftrag des Herrn unterwegs“ — so weiß auch ich mich von Gott gerufen. In meiner Biografie gibt es besondere Momente, in denen mir das ganz besonders bewusst wurde. Die Berufung zum Dienst für Gott und zur Verkündigung des Evangeliums wurde auch von der Kirche immer wieder bestätigt. Ob das auch so spannend wird wie bei Jeremia? Vielleicht gerade jetzt, in den nächsten Jahren, hier in Tailfingen? Berufung ist kein Punkt auf einer Checkliste, den man als erledigt abhaken kann. „Ich bin im Auftrag des Herrn unterwegs“ — da muss man jeden Tag aufs neue buchstabieren, was das im Leben tatsächlich bedeutet. Ich kann mich ganz gut in den Jeremia hineinversetzen.

„Ich bin im Auftrag des Herrn unterwegs“ — solche hoffnungsvollen Aufbrüche gibt es nicht nur für Pfarrer und Hauptamtliche. Als Kinder Gottes und Glieder seiner Kirche, als Menschen die Gott geschaffen, erwählt und in diese Welt gestellt hat, sind wir alle nicht nur mit Würde, sondern auch mit Verantwortung und Auftrag von ihm ausgestattet. Wir sind Gottes Botschafter — in Wort und Tat, mit Herz und Hand zeugen wir von ihm in dieser Welt. „WIR sind im Auftrag des Herrn unterwegs“ Vielleicht wird dies deshalb ja gar nicht nur eine Predigt über mich, oder über Pfarrer und Hauptamtliche, sondern einfach für jeden hier, der sich — egal wozu genau im Leben — mit mir hier berufen weiß. Und mit Jeremia.

Ach, Herr

Zurück also nach Anatot: Dort hat gerade Gott geredet. Etwas gewaltiges, unerklärliches ist geschehen–ja, geschehen, denn Gottes redet nicht einfach nur so dahin. Nein, sein Wort „geschieht“ an den Propheten. Wenn Gott redet, hält die Welt den Atem an. „Du, Jeremia, bist mein auserwählter Prophet für die Völker. Du bist im Auftrag des Herrn unterwegs.“

Stille. So etwas muss erst einmal einsinken. Es ist ja nicht jeden Tag, dass Gott zu einem redet. Und schon gar nicht jeden Tag, dass er einen zum Völkerpropheten beruft. Ein Augenblick vergeht. Jeremia muss erst einmal die Fassung wieder finden. Und dann öffnet er den Mund…

„Ach, Herr…“

Wie bitte? „Ach, Herr“? Das ist alles, was ihm zu dieser göttlichen Berufung einfällt? „Ach, Herr“?

„Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.“

Ich muss zugeben, dass ich mit dieser Einstellung lange nichts anfangen konnte. Mir lag da immer die Berufungsgeschichte des Jesaja sehr viel näher. Der hat zwar auch seine Zweifel, als er in einer mächtigen Vision Gott in seiner ganzen Herrlichkeit und mit all seinem himmlischen Hofstaat sieht: „In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron, und sein Saum füllte den Tempel. …“ Aber als er dann hört, dass Gott einen Boten sucht, da hat er dann die Courage, selbst mitten in diese Vision des himmlischen Thronsaals hineinzuplatzen: „Hier bin ich, sende mich!“ So muss das doch sein! Nicht: „Ach, Herr…“ Dann doch lieber Blues Brothers: „Ich bin im Auftrag des Herrn unterwegs.“

Es gab Zeiten, da hat mich das enorm stark gemacht. Ich wusste mich von Gott berufen und hatte immer wieder Bestätigung von verschiedenen Seiten erlebt. Ich hatte eine gute Ausbildung. Ich war bereit. Ich — im Auftrag des Herrn unterwegs. Was konnte da noch schiefgehen? … Bis ich meine erste Stelle antrat. Ich kann mich noch gut erinnern: Anfang Juni, beim Gottesdienst im Grünen, sollte ich meine erste Predigt in der neuen Gemeinde halten. Ich war gut vorbereitet. Ich war mutig. Ich war der neue Pastor (oder zumindest der neue Praktikant). Und dann kam der Sonntagmorgen. Mir war so übel. Kalter Schweiß stand mir auf der Stirn. Mein Magen rebellierte. Mein Kreislauf fuhr Achterbahn. Statt selbst mit dem Auto zum Gottesdienst zu fahren, musste ich mich von jemandem aus der Gemeinde abholen lassen. Ach, Herr!

Keine Sorge, inzwischen geht das besser. Ich bin ja auch etwas routinierter geworden seither. Aber man kann keine 15 Jahre im pastoralen Dienst, in der Begegnung mit Menschen und der Begleitung von verschiedensten Lebenssituationen arbeiten, ohne immer wieder mit den eigenen Grenzen und der eigenen Unzulänglichkeit konfrontiert zu werden. Wahrscheinlich kann man das nicht einmal ein einziges Jahr lang. Da gibt es so viele Momente, wo ich mich plötzlich so untauglich fühle. Wo mir die Worte fehlen. Wo das Entsetzen über das miterlebte Leid so groß ist. Wo ich auch keinen Rat weiß. Wo ich kaum den Mut aufbringe, das Richtige zu sagen, gerade, wenn es vielleicht auch quer zur Meinung anderer liegt. Nein, zu jung wie Jeremia fühle ich mich vielleicht nicht mehr — aber Jeremia geht es ja auch nicht um eine untere Altersgrenze, sondern um fehlende Weisheit, und die fehlt mir ganz oft auch. Auf die Gefahr hin, dass sich jetzt alle fragen, ob das nicht doch der falsche Pfarrer für Tailfingen ist: Ich fühle mich Jeremia oft ganz nahe. Ach, Herr! Und wenn ich dann Texte lese wie das heutige Evangelium von den Talenten, die man nicht im Acker vergraben soll, und den Wochenspruch höre („Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern.“ (Lk 12, 48b)), dann steigt dann nur noch die Spannung und der Druck auf mich. Ach, Herr! Ach, Herr Herr!

Gottes Antwort

Und gerade deshalb tut es mir so gut, Gottes Antwort für Jeremias „Ach“ zu hören. Weil ich eben doch auch ein „Ach-Sager“ bin und nicht nur mutig „im Auftrag des Herrn unterwegs.“ Aber Gott kann damit glücklicherweise umgehen. Er braucht, erwählt und beruft auch nicht nur geistliche Superhelden, sondern tatsächlich auch Leute wie Jeremia aus Anatot. Und mich. Und er antwortet auf unsere berechtigten Anfragen an die eigene Tauglichkeit — ganz kurz und bündig, aber entscheidend wichtig:

Hab keine Angst!

Erstens: „Fürchte dich nicht.“ Na ja, das sagt Gott doch immer, oder? 365 mal soll das angeblich in der Bibel stehen — hat mal jemand behauptet. Einmal für jeden Tag des Jahres. In der Lutherbibel sind es zwar tatsächlich nur 97 mal, aber das sollte trotzdem reichen, für jeden Tag, selbst im Schaltjahr, wo es einen mehr gibt. „Fürchte dich nicht“ ist nicht nur die himmlische Variante von „Guten Tag“ (weil Gott ja schlecht „Grüß Gott“ sagen kann), nicht nur eine inhaltsleere Einleitungsformel, einfach gedankenlos dahingesagt. „Fürchte dich nicht“ bedeutet wirklich genau das, was es sagt: „Hab keine Angst!“ Das ist nämlich genau das, was „Ach-Sager“ wie Jeremia und ich hören müssen. Und damit es nicht nur ein hohler Postkartenspruch zur Selbstmotivation bleibt, gibt es immer eine Begründung. Diese hier hat es in sich: „Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir.“ Also nicht nur, „Ich bin im Auftrag des Herrn unterwegs.“ Sondern vielmehr „Ich bin im Auftrag des Herrn mit dem Herrn unterwegs.“ Und das immer. Und überall. Und, um Jesus zu zitieren, der ja genau dasselbe sagt, sogar „bis ans Ende der Welt.“ Also auch, als Jeremia dann am Tiefpunkt seines Dienstes ganz tief im Schlamassel steckt: in einer schlammigen Zisterne, in der man ihn vergessen will, bis er verrottet und verreckt. „Fürchte dich nicht…, denn ich bin bei dir…“ Wow! „… und [ich] will dich erretten“, spricht der Herr und begibt sich nicht nur mit Jeremia und mir in den Schlamassel, der uns bis zum Hals steht, sondern–nein–, er holt uns immer wieder auch heraus. Hab keine Angst! Hab keine Angst, was die Anderen sagen oder denken. Hab keine Angst, was passieren könnte. Hab keine Angst, dich vielleicht zu blamieren. Hab keine Angst um deine Zukunft. Hab keine Angst, zu versagen. Hab keine Angst, die dich lähmen könnte. Ich bin bei dir! „Ich bin im Auftrag des Herrn mit dem Herrn unterwegs.“

Lass mich durch dich reden!

Zweitens: „Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.“ (Jer 1:9 LUT) „Siehe“ — „schau mal“ — jetzt heißt es aufpassen, denn Gott redet nicht nur, er zeigt ganz praktisch, warum ein Jeremia über das „Ach, Herr“ hinausgehen kann. Wie wir uns das vorzustellen haben, dass Gottes Hand Jeremias Mund berührt, das bleibt im Text verborgen. Aber die Aussage Gottes ist ganz klar. Wo Jeremia sagt, „ich tauge nicht zu predigen“, da sagt Gott, „lass mich durch dich reden!“

Ach, Herr, mir fehlen oft die Worte. Ach, Herr, wenn ich nur immer wüßte, was ich sagen soll. Ach, Herr, und manches Gesagte würde ich am liebsten sofort zurücknehmen — oder auch nicht immer sofort, aber zumindest hinterher, wenn ich noch einmal darüber nachgedacht habe. Ach, Herr, und wenn ich dann auch noch begreifen würde, wann ich gar nicht reden sollte, sondern Schweigen angebracht ist — Schweigen, und vielleicht einfach eine Geste, eine Umarmung, mein Da-sein und mein Mitweinen…

„Lass mich durch dich reden“, sagt Gott. „Ich lege meine Worte in deinen Mund“, sagt Gott. Der Gott, der zu Jeremia redet und zu mir und zur Welt. Bei dem ein Wort ausreicht, um das Universum zu schaffen, das Licht und die Welt und Tiere und Pflanzen und die Schwäbische Alb und Jeremia und mich. Der Gott, dessen Wort „geschieht“ an den Menschen. Wenn Gott redet, hält die Welt den Atem an. Er will seine Worte in meinen Mund legen! Das kann man nicht machen. Dafür gibt es kein Rezept, keine Formel und keinen Studiengang. Ich kann Gott nicht reden lassen, ich kann nur sagen, was mir in den Sinn kommt. Aber ich kann ihm vertrauen, dass er mir den Mund füllt. Und dann gespannt mit ansehen, wie sein Wort „geschieht“. „Lass mich durch dich reden!“ „Ich bin im Auftrag des Herrn mit seiner Botschaft unterwegs!“

Vergiss nicht, dass du in meinem Auftrag unterwegs bist!

Drittens: „Siehe, ich habe dich gesetzt.“ „Vergiss nicht, dass du in meinem Auftrag unterwegs bist, Jeremia.“ „Wer ist das eigentlich, der da vorne auf der Kanzel steht?“, fragst du. „Wer hat dem erlaubt, hier zu reden? Was maßt der sich an, Pfarrer sein zu wollen — gar noch unser Pfarrer hier in Tailfingen?“ „Wer ist das eigentlich, der da im Tempel redet?“ fragt sich ganz Jerusalem. Wer hat dem erlaubt, hier zu reden? Was maßt der sich an, den König zu kritisieren und die Mächtigen? Was glaubt der eigentlich, er könne die wichtigsten Leute im Land diskreditieren? Was fällt dem ein, zu glauben, er spreche im Namen Gottes?“

Ach, Herr!

Letzten Dienstag war ich bei Dekan Widmann. Per Handschlag hat er mich auf die Ordnungen der Landeskirche verpflichtet und mir dann feierlich meine Ernennungsurkunde überreicht. Hochoffiziell, mit der Unterschrift von Landesbischof July. Ich kann sagen, ich bin heute hier, weil mich die Landeskirche auf diese Stelle berufen hat. Jeremia hat keine schöne Urkunde, kein Dokument, das ihn legitimiert. Aber — genau wie ich und genau wie du, wenn du deine Berufung lebst — kann er sich einer Sache gewiss sein: „GOTT hat mich gesetzt.“ Ich bin nicht in eigener Sache unterwegs. Mein Hiersein ist nicht verhandelbar. Ich maße mir nichts an, was ich mir selbst ausgesucht habe. Jeremia weiß: „Ich bin im Auftrag des Herrn unterwegs.“

Das Ordinationsversprechen eines Pfarrers der evangelischen Landeskirche, auf das ich am Dienstag vom Dekan neu verpflichtet wurde, beginnt so: „Im Aufsehen auf Jesus Christus, den alleinigen Herrn der Kirche, bin ich bereit, mein Amt als Diener des göttlichen Wortes zu führen …“ Dieser Anfang ist entscheidend. Wäre ich in eigener Sache hier, dann wäre „Ach, Herr“ noch der harmloseste Kommentar. Nur im Aufsehen auf den Herrn Jesus Christus, nur in seinem Auftrag kann ich hier stehen. Wenn dann alles in mir „Ach, Herr“ ruft, dann stehe ich trotzdem hier, denn ich vergesse nicht, dass ich in seinem Auftrag unterwegs bin. „Ich bin im Auftrag des Herrn unterwegs!“

Schluss

Ach, Herr. Du hast uns berufen, darum sind wir hier. Sei bei uns, Herr! Wir brauchen dich! Mach uns immer gewiss, dass wir nicht allein sind. Lege deine Worte in unseren Mund, Herr, und lass dein Wort durch uns an der Welt geschehen. Und lass uns nicht vergessen, dass wir für dich und mit dir und in deinem Auftrag hier sind. Amen.

 

 

 


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Über Christoph

Christoph Fischer (* 1978) ist Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg auf der Pfarrstelle „Erlöserkirche“ in Albstadt-Tailfingen.

Christoph ist verheiratet mit Rebecca. Gemeinsam haben sie drei Töchter.