Erfrischung gefällig?

Frische, Stärkung und Leben im Sonderangebot

Bild: pixabay / shixugang, Lizenz: CC0
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Die Predigt "Erfrischung gefällig?" von Christoph Fischer und alle dazu gehörigen Ressourcen (Predigtzettel, Aufnahme) sind lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz. Verwendete Bilder stehen eventuell unter eigenen Lizenzbedingungen. Ausdrücklich von der Creative Commons-Lizenz ausgenommen sind die Logos und Namen der Gemeinde, in der die Predigt gehalten wurde und ihrer Arbeitsbereiche.

Gnade mit euch und Friede von Gott dem Vater und von Jesus Christus, unserem Herrn!

Puh, war das heiß diese Woche! Irgendwie konnte man die Menschen in südlicheren Ländern verstehen, die in der Hitze des Nachmittags Siesta machen, weil es einfach so heiß ist, dass man sowieso nichts mehr tun kann. Manche von uns hätten am liebsten gleich morgens mit der Siesta begonnen und sie bis zum Einschlafen am Abend fortgesetzt. Ein kühles Getränk nebendran, ein Ventilator und vielleicht ein gutes Buch, oder so. Andere konnten gar nicht anders, als deutlich kürzer zu treten, weil der Körper der Anstrengung in dieser Hitze einfach nicht mehr gewachsen ist und einen damit automatisch zur Ruhepause zwingt. So oder so, ich denke, diese Woche finden wir alle irgendeinen Bezug zum Wochenspruch, in dem uns Jesus Christus zuruft: "Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken."

"Erquicken". Wenn man dieses etwas aus der Mode geratene Wort noch versteht, dann drängen sich unwillkürlich Bilder von einem kühlen Getränk in der Hitze auf. "Erquicken" heißt "neu bleben", "stärken" oder "erfrischen." Da hört man schon fast das Zischen, wenn der Deckel von der eisgekühlten Coca-Cola-Flasche abgezogen wird -- oder was auch immer ihr gerne trinkt, wenn euch heiß wird. Im griechischen Original klingt das nicht ganz so stark nach Erfrischungsgetränken: anapauo heißt eher "ich will euch Ruhe geben." Da drängt sich das Bild von der Siesta im Schatten auf. Zur Ruhe kommen. Neue Kräfte sammeln. Pause.

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Egal ob Erfrischungsgetränk oder Siesta, hinter den Bildern, die in unserem Kopfkino ablaufen, steckt in diesem Jesuswort eine Einladung. Damit sind wir auch schon ganz nahe dran am heutigen Predigttext, aus dem 55. Kapitel im Buch des Propheten Jesaja -- einem Text, in dem der Prophet die selbe Einladung noch viel ausführlicher ausspricht. Hören wir also seine Worte:

Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und euren sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben. Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben! Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, euch die beständigen Gnaden Davids zu geben. Siehe, ich habe ihn den Völkern zum Zeugen bestellt, zum Fürsten für sie und zum Gebieter. Siehe, du wirst Völker rufen, die du nicht kennst, und Völker, die dich nicht kennen, werden zu dir laufen um des HERRN willen, deines Gottes, und des Heiligen Israels, der dich herrlich gemacht hat. (Jesaja 55,1-5)

Eingeladen

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Das Jesajabuch ruft Menschen, die sich in Durststrecken befinden. Menschen werden gerufen, die kein Geld haben. Wenn wir die Schriftlesung von vorher (Epheser 2,17-22) noch mit dazu nehmen, dann werden Gäste und Fremdlinge eingeladen. Menschen, die irgendwie nicht so richtig dazu gehören. Die am Rand stehen. Die vielleicht auch aktiv von anderen ausgegrenzt werden. Menschen, die keiner so recht haben will. Vielleicht auch einfach "schwierige" Menschen, die nicht so recht in den Rahmen der Erwartungen passen, die andere an sie haben.

Mit anderen Worten, es geht hier auf den ersten Blick um Menschen und Situationen, die wir heute als klassische Fälle für die Diakonie bezeichnen würden: Menschen, denen es am Nötigsten fehlt--sei es materiell, gesundheitlich oder eben auch in den Bereichen des Lebens, die man nicht so einfach messen und beziffern kann. Mühselig und beladen. Menschen in Durststrecken. Menschen am Rand. Menschen, für die Begriffe wie "Teilhabe" nur noch eine leere Worthülse wären, wenn sich da nicht andere liebevoll um sie kümmern würden.

Ich glaube aber, es geht um deutlich mehr: Egal wie heiß es dir in dieser Woche nun tatsächlich war -- mit "mühselig und beladen" können wir doch alle etwas anfangen. Jeder von uns weiß, dass das Leben nicht immer einfach ist. Es gibt erfrischende Momente, in denen wir uns des Lebens freuen und es in vollen Zügen genießen können. Und es gibt die Durststrecken, in denen alles nur noch mühevoll erscheint. Zeiten der Sorge, der Unruhe, der Fragen. Zeiten mit Nöten und Schmerzen. Zeiten, die uns auszehren, uns die Kraft rauben. Zeiten, die oft kein Ende zu nehmen zu scheinen. "Mühselig und beladen". Ja, das kenne ich wohl auch.

Uns und allen anderen Menschen, all diesen Situationen, ist gemeinsam: Sie sind eingeladen. Und wenn wir uns, wie bereits bemerkt, immer wieder selbst auch mit diesem "mühselig und beladen" identifizieren können, dann wird es ganz persönlich. Wir sind eingeladen. Ich bin eingeladen.

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser!

Erfrischungsangebote

Nun ist es ja nicht so, als ob diese Einladung etwas ganz grundsätzlich Neues wäre. Im Gegenteil: Der bunte Markt der Möglichkeiten dieser Welt bietet eine unüberschaubare Vielzahl von Einladungen und Angeboten, die versprechen, das mühselige Leben zu vereinfachen. Alles wird besser, wenn du nur ... Erfolgsrezepte und Patentlösungen und Geheimtipps und Hausmittel und überraschende Angebote und exklusive Versprechen gibt es wie Sand am Meer. Wie Sand am Meer gibt es auch Menschen, die diesen Versprechen folgen und darin die Antwort suchen auf Mühsal und Last, auf Mangel und Not, auf fehlende Perspektiven und auf fehlende Beziehungen.

Mein Glück. Meine Freiheit. Lotto: ein guter Tipp.

Oder auch: 6 aus 45. Träume werden wahr.

Fit und schlank in 30 Tagen.

Mein Haus. Mein Auto. Mein Boot.

Gesund alt werden: 12 Tricks für ein langes Leben.

Alle 11 Sekunden verliebt sich ein Single auf Parship.

Wenn du nur willst, kannst du alles erreichen.

Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum.

Lacht nicht! Das ist genau das, was Menschen suchen. Diese Angebote versprechen die Antwort auf genau die Probleme zu sein, die die Menschen bewegen. Probleme, die dann eben in den meisten Fällen nicht gelöst werden, indem man einem Superangebot vertraut. Manch einer hat schon alles investiert und ist keinen Schritt weitergekommen. Manch einer hat schon alles investiert und ganz viel verloren. Wenn du nur willst, kannst du alles erreichen? Nein, "alles" ist am Ende oft noch unerreichbarer als vorher und der Traum, den man leben wollte, schwebt wie eine Seifenblase im Wind davon: schillernd schön, unerreichbar, immer weiter weg und dann -- puff! -- geplatzt, bevor man auch nur in die Nähe kam.

"Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und euren sauren Verdienst für das, was nicht satt macht?" fragt der Prophet. Es bringt doch nichts, irgendwelchen fadenscheinigen Angeboten und leeren Hoffnungen hinterherzurennen. Diese Angebote bringen euch nichts. Sie machen nicht satt. Sie stillen den Durst nicht. Sie erfüllen euer Leben nicht. Sie sind leer!

Ein Sonderangebot

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser!

Gottes Angebot ist anders. Nicht nur bietet er Dinge an, die für die Armen, die Mittellosen, in der antiken Gesellschaft sonst unerreichbar sind: Wein und Milch. Nicht nur, weil sein Angebot im bunten Markt der Möglichkeiten, alle Mitbewerber unterbietet: "Ihr, die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!" Gottes Angebot ist vor allem deshalb anders, und besser als alles Andere, weil es im bunten Markt der Möglichkeiten alle Mitbewerber weit übertrifft. Es geht hier ja schließlich um mehr als nur die oberflächlichen Bilder von materieller Versorgung mit Brot und Wasser, Milch und Wein. Es geht sogar um mehr, als materiellen Wohlstand, als Überfluss und Luxus, "Gutes essen und euch am Köstlichen laben". Wer über diese Bilder hinausschaut, der begreift: Gott bietet an, was sonst keiner anbieten -- was sonst keiner anbieten kann:

Höret, so werdet ihr leben!

Höret, so werdet ihr leben!

Leben, also mehr als existieren, sondern echtes, erfülltes, erfrischtes, erneuertes, kraftvolles, übersprudelndes Leben!

Das kann sonst keiner anbieten.

Und damit so ein "Leben" nicht nur ein leerer Begriff bleibt, wird es gefüllt in diesen Versen: "Herrlich gemacht." Ein "ewiger Bund" mit Gott. "Beständige Gnade". Ein Ende von "Mühsal und Last" verspricht Jesus. "Zugang zum Vater" stellt der Epheserbrief in Aussicht, "Frieden" und Nähe zu Gott, eine Zugehörigkeit zu einer Gott-geschaffenen Gemeinschaft und Wachstum durch die Kraft des Heiligen Geistes. Das ist Gottes Angebot. Das kann sonst keiner bieten. Das übertrifft alles. Ein echtes Sonderangebot.

Höret, so werdet ihr leben!

"Kommet her zu mir!", ruft der Prophet in Gottes Namen.

"Kommet her zu mir!", ruft Jesus Christus. "Kommt her zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken." Ich bin dieses Angebot Gottes, sagt Jesus Christus. In mir erfüllt sich das alles. Ich selbst bin dieses Brot. Ich bin der Weinstock. Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird nie mehr dürsten. In mir wird das alles wahr. In mir schenkt euch Gott das alles. Kommt, seht, esst und trinkt und "schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist." Höret, so werdet ihr leben!

In Jesus Christus spricht uns Gott sein Sonderangebot zu. In Jesus Christus haben wir dieses Leben. In Jesus Christus haben wir die Antwort auf Mühsal und Last und Not und Mangel und Ausgrenzung und Ablehnung, auf alles, was uns bisher fehlte. In ihm haben wir Leben, DAS Leben.

Ein echtes Sonderangebot!

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Hören und Leben

Einen letzten Gedanken möchte ich an dieser Stelle noch gerne anbringen: Eigentlich ist diese Einladung uns doch gar nichts Neues. Nichts anderes haben wir heute morgen im Gottesdienst bereits dreimal in der Taufe gehört: Die Einladung Gottes an einen Menschen. Damit ist eigentlich alles gesagt!

Und genau das ist wichtig: Die Einladung, die uns hier zugerufen wird, ist an keine weiteren Bedingungen geknüpft. Von Gottes Seite ist schon alles dafür getan. Ich brauche weder Ticket noch Bedürftigkeitsnachweis, weder Mitgliedschaftsbescheinigung noch irgendeinen bestimmten, wie auch immer gearteten Heiligkeitsgrad. Ich muss nichts dafür tun und nichts bezahlen, nichts abarbeiten oder irgendetwas dafür leisten. (Das könnte ich auch gar nicht.)

Gott lädt mich ein, weil er mich einladen will. Gott lädt mich ein, weil er mich liebt. Gott lädt mich ein, weil er ein großes weites Herz hat, in dem Platz ist für mich und aus dem die ganze Fülle des Lebens fließt.

Höret und ihr werdet leben. Mehr braucht es gar nicht. Kommet her zu mir. Mehr ist gar nicht nötig.

Das ist die Einladung, die sie, liebe Eltern und Paten, heute morgen versprochen haben, in der Erinnerung an die Taufe immer wieder an ihre Kinder weiterzugeben. Dass sie hören. Dass sie kommen. Dass sie Leben finden.

Das ist die Einladung, die uns allen vom Moment der Taufe an immer und immer wieder zugesprochen wurde. O, dass wir sie hören. O, dass wir kommen. O, dass wir Leben finden.

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser!

Höret, so werdet ihr leben!

Amen.

Predigttext

Jesaja 55,1-5

In aller Kürze

Erfrischung, neue Kraft, neues Leben für alle, die sich mühen. Für alle, die nichts haben. Für die, die bisher anderen Angeboten hinterhergerannt sind und dabei immer wieder auch auf die Nase fallen. Das verspricht Gott in Jesus Christus. Ein echtes Sonderangebot! [Variante 2 dieser Predigt zum Taufgottesdienst am 2. Sonntag nach Trinitatis]

Fragen zur Vertiefung

Zu dieser Predigt hat Christoph eine Reihe von Fragen hinterlegt, die in der Kleingruppe zur Vertiefung weiter besprochen werden können:

  1. Welche Formen nimmt "mühselig und beladen" in deinem Leben an?
  2. "Kommen" und "hören" sind alles, was es braucht, um Gottes Angebot zum Leben anzunehmen. Wo und wie tust du das?
  3. Wie kannst du -- neu erfrischt -- auch andere an dieser Erfrischung teilhaben lassen?

Über Christoph

Christoph Fischer (* 1978) ist Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg auf der Pfarrstelle „Erlöserkirche“ in Albstadt-Tailfingen.

Christoph ist verheiratet mit Rebecca. Gemeinsam haben sie drei Töchter.

Pfarrer