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Aufnahme der Predigt (13:23)
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Die Predigt "Fettes Mahl" von Christoph Fischer und alle dazu gehörigen Ressourcen (Predigtzettel, Aufnahme) sind lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz. Verwendete Bilder stehen eventuell unter eigenen Lizenzbedingungen. Ausdrücklich von der Creative Commons-Lizenz ausgenommen sind die Logos und Namen der Gemeinde, in der die Predigt gehalten wurde und ihrer Arbeitsbereiche.

Gnade mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn.

Liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus,

Gerade habe wir Ostern gefeiert. Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Er hat den Tod besiegt. Er hat das Leid und die Scham und die Schmach und die Sünde der ganzen Welt auf sich genommen, bis zum bitteren Ende, bis zum Tod am Kreuz. Und dann, als alle glaubten, er habe den Kampf verloren, da zeigt sich Gottes wahrer Triumph: Christus ist auferstanden! Wir haben Grund zum Feiern.

Die Osterbotschaft ist uns geläufig und vertraut. Wir kennen sie von Kindheit an und hören sie jedes Jahr um diese Jahreszeit aufs Neue. Natürlich ist Christus auferstanden! Natürlich hat Gott den Tod besiegt. Natürlich gibt es Hoffnung!

Da fällt es doch ein wenig schwer, sich in die Menschen der Ostergeschichte in den Evangelien hineinzuversetzen: Für sie war das alles gar nicht so natürlich. Für sie hatte am Kreuz alle Hoffnung geendet. Für sie war die Nacht, die Schwere, das Entsetzen, die Trauer so undurchdringlich, dass kein auch noch so kleiner Hoffnungsschimmer sie mehr erleuchten können hätte. Jesus ist tot! Der Messias wurde von den Mächten dieser Welt überwältigt. Wir, die wir alles aufgegeben haben, um ihm zu folgen, haben wohl doch auf die falsche Karte gesetzt. Dabei hatten wir wirklich geglaubt, er sei der Sohn Gottes! Wir haben doch gesehen, wie Lahme gehen und Blinde sehen und selbst Tote zu neuem Leben erweckt werden. Und jetzt: Alles aus!

Wie hätten sie auch das Unglaubliche glauben, das Unerwartbare erwarten können? Wer konnte damit rechnen, dass ein Toter plötzlich aufersteht? Als die ersten Nachrichten am Ostermorgen die niedergeschlagenen Jünger erreichen, da bricht nicht sofort der Jubel aus. Die Frauen sagen, das Grab sei leer. Die zwei, die auf dem Weg nach Emmaus waren, sagen, sie hätten den Herrn gesehen. Wie soll man das einordnen? Was soll man dazu sagen? Das kann doch gar nicht wahr sein!

Und dann steht er plötzlich mitten unter ihnen. Selbst da erschrecken sie erst einmal, glauben an eine Erscheinung, an einen Geist. Aber er spricht ihnen Frieden zu. Er zeigt ihnen sein Wunden. Er hat erneut Gemeinschaft mit ihnen beim Essen. Und er erklärt ihnen, was sie noch nicht begriffen haben. Weil man das eigentlich nicht begreifen kann: Christus ist auferstanden.

Außer natürlich, man lebt im 21. Jahrhundert in Tailfingen. Außer man kennt die Ostergeschichte in und auswendig. Außer man ist getauft und konfirmiert und überhaupt ein Leben lang ein gläubiger Christenmensch gewesen. Dann ist das natürlich ganz einfach zu begreifen! Oder nicht?

Liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus,

Als am Ostersonntagmorgen die Nachrichten von den furchtbaren Terroranschlägen in Sri Lanka bekannt wurden, da war der Osterjubel für viele für uns auf einen Schlag wieder ganz weit weg. Es ist so dunkel, so hoffnungslos in dieser Welt. So viel Böses! So viel Angst! So wenig Friede! Da sind wir alle erschrocken, alle, die wir gerade noch freudig von Jesu Auferstehung gesungen hatten. Und es ist nicht nur dieser Ostermorgen mit seinen schlechten Nachrichten, der uns dazu bringt. Wie oft lassen wir uns im Alltag vom Schrecken, vom Leid, vom Zweifel, von den Schmerzen, von der Einsamkeit die Sicht verdunkeln. Wie oft ist die Osterfreude, die uns ja nicht nur an Ostern, sondern das ganze Jahr begleiten sollte, überlagert von den alltäglichen Sorgen! Vielleicht sind wir gar nicht so weit weg von diesen Jüngern, die als erste die Osterbotschaft nicht so richtig begreifen konnten.

Vielleicht brauchen wir, genau wie sie, neu eine Begegnung mit Jesus. Seinen Zuspruch. Seine Gegenwart. Seine Erklärungen für das, was uns unbegreiflich scheint.

"Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden... " Das hatte er wenige Verse zuvor schon mit den beiden Traurigen auf dem Weg nach Emmaus gemacht. Eine Tour durch das ganze Wort Gottes, um zu zeigen, wie Gott schon immer einen Plan hatte. Wie es schon immer Hoffnung gab und genügend Grund ihm zu vertrauen. "Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose und in den Propheten und Psalmen." Alles. Das ist eine ganze Menge. Viel zu viel, als dass wir es heute alles auch nur lesen könnten. Daher muss ein Stück davon genügen. Ein ganz typischer Text, den wir bereits am Ostermontag miteinander gelesen haben. Er steht im 25. Kapitel des Jesajabuchs:

Und der HERR Zebaoth wird auf diesem Berge allen Völkern ein fettes Mahl machen, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist. Und er wird auf diesem Berge die Hülle wegnehmen, mit der alle Völker verhüllt sind, und die Decke, mit der alle Heiden zugedeckt sind. Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der HERR hat's gesagt. Zu der Zeit wird man sagen: "Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe. Das ist der HERR, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil." (Jesaja 25,6-9)

Ein typischer Prophetentext! Ein Zukunftsversprechen: Gott macht alles gut. Er lädt alle Menschen zu sich ein. Er veranstaltet ein Fest, zu dem sie alle eingeladen sind. Alle. Die, die sowieso schon immer miteinander gefeiert haben, genauso wie die, die sich immer aus dem Weg gingen. Alte Kameraden und Menschen, die sich vorher die Köpfe eingeschlagen haben. Gute Freunde und Erzfeinde. Alle bei einem Fest. Friede! Menschen versöhnt miteinander und mit Gott.

Und Freude. Da wird richtig gefeiert. Ein fettes Mahl mit allem, was dazu gehört. Gott lässt es richtig krachen. Das größte Fest der Geschichte: Friede, Freude, Eierkuchen -- nun, nicht wirklich Eierkuchen, denn die damaligen Essgewohnheiten sind uns offensichtlich fremd. Aber das Beste, was man sich vorstellen kann. Und Gott lädt alle ein.

Ein typischer Prophetentext eben! Ein Zukunftsversprechen: Die "Hülle" wird weggenommen, die verhindert, dass die Menschen einander verstehen. Und Gott. Und seinen Plan. Endlich begreifen alle, was bisher so unbegreiflich war! Der Tod wird "verschlungen auf ewig." Er lauert nicht mehr bedrohlich im Hintergrund. Keiner muss mehr Angst haben. Es gibt keinen Grund zur Trauer mehr, wenn Gott alle Tränen trocknet. Kein Grund mehr, sich zu schämen, wenn Gott seine Gerechtigkeit schafft. "Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe. Das ist der HERR, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil."

Ein typischer Prophetentext eben! Ein Zukunftsversprechen. Zukunftsmusik. Utopie. Wunschvorstellung. Schön wäre das. Keine Terrornachrichten mehr im Fernsehen. Keine Zweifel mehr. Keine Angst. Keine Schmerzen. Keine Einsamkeit. Kein Hunger. Keine Armut. Keine Unterdrückung. Keine Ausbeutung. Kein Tod... Wie schön das wäre! Aber eben -- Utopie. Zu schön, um wahr zu sein. Unglaublich. Unerwartbar. Unbegreiflich und unergreiflich.

Oder?

Dann steht da plötzlich dieser auferstandene Jesus. Gott zeigt uns, dass Dinge möglich sind, die wir uns gar nicht vorstellen können. Und in Jesus werden sie wahr. Unbegreiflich? Ja. Unmöglich? Nein. Er ist da, mitten unter den Jüngern.

Und er ist hier bei uns, der auferstandene Jesus, das hat er uns fest versprochen. Das bekennen wir doch immer wieder. Und jedes Mal, wenn wir Gottesdienst feiern, feiern wir den auferstandenen Herrn. In ihm hat Gott das Unmögliche möglich gemacht. In ihm hat er uns gezeigt, dass seine Möglichkeiten keine Grenzen kennen. In ihm hat Gottes Fest bereits begonnen!

Wie, fragst du? Haben wir uns nicht gerade noch miteinander gefreut, dass Christus den Tod besiegt hat. Das glauben wir doch weiterhin und das war ein zentraler Teil des Versprechens. Und auch wenn uns allen noch das Sterben blüht, so hat der Tod doch schon seinen Schrecken verloren. Bei jeder Beerdigung erinnern wir uns an die Hoffnung, die wir haben, dass Jesus Christus wiederkommt an seinem Tag und die Toten auferweckt zu neuem Leben. "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt."

Ja, Gottes Fest ist noch nicht in seiner ganzen Fülle da. Auf vieles warten wir noch. Manches können wir nur in der Hoffnung des Glaubens erahnen. Aber das Fest hat bereits begonnen, weil Jesus auferstanden ist. Und es wird weitergehen, und wir werden mit ihm feiern. Ganz konkret könnte der nächste Schritt bei uns liegen: Was könnte nur alles geschehen auf dieser Welt, wenn wir jeden Tag in dieser Gewissheit leben: Christus ist auferstanden! Der Tod ist besiegt! Wir brauchen keine Angst zu haben! Gott ist mit uns! Da könnte sich vieles verändern.

Also, liebe Geschwister, lasst uns den Blick auf ihn gerichtet halten, den Sieger, den Überwinder. Christus ist auferstanden! Das gilt jeden Tag. Nicht nur an Ostern. Und das ändert alles. "Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe. Das ist der HERR, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil."

Amen.

Predigttext

Jesaja 25,6-9

In aller Kürze

Ein großes Fest für alle Völker -- das verspricht Gott dem Propheten Jesaja. Friede, Freude, und vieles mehr! Ach, wenn das doch wahr wäre! Oder, noch besser, wenn wir begreifen würde, was Gott an Ostern getan hat, um dieses Fest Wirklichkeit werden zu lassen.

Über Christoph

Christoph Fischer (* 1978) ist Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg auf der Pfarrstelle „Erlöserkirche“ in Albstadt-Tailfingen.

Christoph ist verheiratet mit Rebecca. Gemeinsam haben sie drei Töchter.