Im Himmel aufgeschrieben

Ein echt himmlischer Grund, mich zu freuen

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Die Predigt "Im Himmel aufgeschrieben" von Christoph Fischer und alle dazu gehörigen Ressourcen (Predigtzettel, Aufnahme) sind lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz. Verwendete Bilder stehen eventuell unter eigenen Lizenzbedingungen. Ausdrücklich von der Creative Commons-Lizenz ausgenommen sind die Logos und Namen der Gemeinde, in der die Predigt gehalten wurde und ihrer Arbeitsbereiche.

Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!

Spannende Geschichten aus fremden Welten

In meiner Evangelischen Kirche ist heute Michaelistag, das Fest des Erzengels Michael und -- im weiteren Sinne -- das Engelfest überhaupt. Die Texte für diesen Tag entführen uns in unbekannte Welten, mit spannenden Geschichten aus einer Realität, in die wir mit unseren menschlichen Augen keinen Einblick haben. Gottes Engel, seine Diener, tauchen in der Bibel zwar immer wieder auf, werden aber nie irgendwo systematisch beschrieben und das, was man da lesen kann, lässt Raum für viele Spekulationen. Die gab es immer und zu allen Zeiten, weil Menschen eben fasziniert sind von diesem Unbekannten. Zu biblischen Zeiten war das nicht anders. Etwa im 3. Jahrhundert vor Christus entsteht im das sogenannte "Henochbuch", benannt nach einem der Patriarchen des Alten Testaments, der in der Bibel gerade einmal in sieben kurzen Versen im Buch Genesis erwähnt wird. Im "Henochbuch" will seine Geschichte weitererzählen. Das "Henochbuch" ist sehr viel umfangreicher als der kurze biblische Text und vor allem wurde es ganz schnell sehr populär. Viele der religiösen Vorstellungen aus dem Bereich des jüdischen Glaubens zur Zeit Jesu sind in erheblichem Maße von diesem Henochbuch geprägt. Sogar im neuen Testament wird es mehrfach zitiert.

Das Henochbuch kennt zum ersten Mal in der Geschichte des jüdischen Glaubens eine ausführliche Beschreibung des Himmels und des Totenreichs. Und vor allem kennt es jede Menge Engel. Diese lassen sich in Erz- und normale Engel einteilen und erhalten zum Teil auch erstmals Namen, mit denen sie später berühmt werden. Der Erzengel Michael ist einer davon. In der jüdischen Mythologie ist er der Heerführer Gottes und so taucht er auch mehrfach in unserer Bibel auf, wo er wahlweise irgendwelche Nationen und Territorialmächte bekriegt, sich mit dem Teufel um den Leichnam des Mose streitet oder in einem der großen Bilder der Offenbarung den Drachen besiegt. Zugegeben, das sind nicht gerade die meistgelesenen Bibelstellen, aber wer sie aufschlägt, der findet spannende Szenen, die die Fantasie zum Blühen bringen. Dagegen ist Dan Brown ein Waisenknabe und Grimms Märchen sind kalter Kaffee.

Übrigens ist diese Faszination mit dem sogenannten "Übernatürlichen" mit all den damit verbundenen Spekulationen ja keineswegs nur eine Sache der Vergangenheit. Auch in unserer Zeit erfreut sich die Idee, einen Einblick in uns sonst unzugängliche Sphären zu bekommen, großer Beliebtheit. Und zwar durchaus auch unter Christen. Das "Übernatürliche" sei doch für Nachfolger Jesu Christi ein absoluter "Normalzustand", hört man da. Und dann tauchen plötzlich Engelsfedern auf und Goldstaub und alles wird immer aufregender und faszinierender.

Und weil eben heute Michaelistag ist, will ich gerne noch einen Text aus dem Lukasevangelium dazulegen, der vielleicht noch mehr Stoff für Erkundungen in diese geheimen Welten liefern könnte. Oder auch nicht. Schauen wir mal. Ich lese also aus dem 10. Kapitel des Lukasevangeliums die Verse 17 bis 20:

Die Zweiundsiebzig aber kamen zurück voll Freude und sprachen: Herr, auch die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen.
Er sprach aber zu ihnen: Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz.
Seht, ich habe euch Macht gegeben, zu treten auf Schlangen und Skorpione, und Macht über alle Gewalt des Feindes; und nichts wird euch schaden.
Doch darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Herr, gib uns Ohren zu hören und lass dein Wort in unseren Herzen auf fruchtbaren Boden fallen, dass es Wurzeln schlägt und Frucht bringt in unserem Leben. Amen.

Unterwegs im Auftrag Jesu

Ich schicke die schlechte Nachricht gleich mal voraus: Wer heute von mir aus diesem Text neue geheime Einsichten oder tiefe Weisheiten über Engel und Dämonen, Satan, Schlangen, Skorpione, Geister und übernatürliche Mächte erwartet, der ist leider am falschen Ort. Ich würde sogar behaupten, wenn wir verstehen, worum es Jesus an dieser Stelle geht, dann bleibt gar kein Raum mehr für Fantasiereisen in irgendwelche noch so spannenden übernatürlichen Welten. Aber das werdet ihr hoffentlich gleich selbst sehen. Schauen wir doch einfach einmal, was hier passiert.

Unser Text beginnt mit einer großartigen Erfolgsmeldung. Bereits zum zweiten Mal hat Lukas nämlich am Anfang des Kapitels davon berichtet, dass Jesus nicht nur selbst predigt und Wunder tut, sondern auch seine Anhänger aussendet, um selbständig das Evangelium weiterzugeben. Zwölf Ausgesandte waren es beim ersten Mal -- sicher nicht ganz zufällig genau die Anzahl der Stämme Israels. Zweiundsiebzig waren es diesmal -- das entspricht ganz nebenbei der Anzahl der Nationen in der sogenannten "Völkertafel" im Buch Genesis. Die Anzahl der Ausgesandten und ihr Wirkungskreis vergrößern sich also. Und sicher entsprechend auch die Erwartungen, die damit verbunden sind. Dabei waren die schon beim ersten Mal nicht gerade klein: "Er rief aber die Zwölf zusammen und gab ihnen Gewalt und Macht über alle bösen Geister, und daß sie Krankheiten heilen konnten, und sandte sie aus, zu predigen das Reich Gottes und die Kranken zu heilen." (Lukas 9,1). Nun beim zweiten Mal ist das nicht viel anders:

Die Ernte ist groß, der Arbeiter aber sind wenige. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter aussende in seine Ernte. Geht hin; siehe, ich sende euch wie Lämmer mitten unter die Wölfe. [...] Und wenn ihr in eine Stadt kommt und sie euch aufnehmen, dann esst, was euch vorgesetzt wird, und heilt die Kranken, die dort sind, und sagt ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen. (Lukas 10,2-3.8-9)

Und so waren sie also losgezogen, diese wackeren Boten mit der Nachricht vom Kommen des Reiches Gottes und nun kommen sie begeistert zurück und umringen Jesus völlig außer Atem und alle rufen durcheinander: "Herr! Es hat geklappt! Das Reich Gottes bricht tatsächlich an, wie du es gesagt hast. Die Macht der Finsternis, des Bösen, des Leids und der Unterdrückung -- sie beginnt zu bröckeln!" Selbst "die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen."

Erfolgsmeldungen

Das ist doch echt einmal eine Erfolgsmeldung! Radikal! Begeisternd! Faszinierend! Gottes Macht bricht in unsere Welt hinein und diese Männer -- und wir, dank Lukas, mit Ihnen -- sind Zeugen dessen, was er tut. Ein Grund zur Freude! Ein Grund zum Jubeln.

Ich stelle mir diesen Moment so ungefähr vor wie das deutsche "Sommermärchen" von 2006: als die Fußballnationalmannschaft im eigenen Land von Sieg zu Sieg eilte und die schwarz-rot-goldenen Fahnen auf den Straßen immer mehr wurden und selbst völlige Fußballverächter wie ich von der Feierstimmung ergriffen wurden. Oder wie diesen denkwürdigen Abend vor fast genau dreißig Jahren, als Günter Schabowski eine Pressemeldung zu früh verlaß und völlig überrumpelte Grenzbeamten die Schlagbäume hochklappten und sich in Berlin Ost und West in den Armen lagen und allen klar wurde: die Mauer ist gefallen! Freude! Grund zum Jubeln!

Wir lieben ja solche Erfolgsmeldungen: ein gelungenes Projekt, eine bestandene Prüfung, eine beeindruckende Karriere. Ein großes Wagnis, das gelingt. Ein entscheidender Siegtreffer in der letzten Minute. Ein neuer Hit, der die Menschen mitreißt. Eine Idee, die andere begeistern kann. Mir persönlich gefällt es ganz gut, dass ein Jahr, nachdem Greta alleine mit einem Plakat vor dem schwedischen Parlament saß, viele zig-Tausende von Menschen rund um die Welt mit ihr für eine lebenswerte Zukunft demonstrieren. Erfolg! Freude!

Wir bejubeln solche Erfolge und nehmen uns die, die erfolgreich sind, zu Vorbildern. Wir lieben die Reichen, die Schönen; die, die es zu etwas gebracht haben. Die Stars auf der Bühne, über die jeder redet. Die Fußballer, die leichtfüßig den Ball ins gegnerische Tor bringen. Die Führer, die es schaffen, Massen hinter sich zu versammeln. Wir schauen auf zu Ihnen und wir schauen uns ab, was wir können, um vielleicht selbst eines Tages teilzuhaben am Erfolg. Selbst jubeln zu können oder gar bejubelt zu werden. Grund zur Freude!

Das ist ja auch in geistlichen Fragen nicht anders. Auch da haben wir unsere erfolgreichen Superstars. Und wir lieben die Geschichten von Heilungen, von Zeichen und Wundern, von Triumph und von Größe. Wir lieben die großen Zahlen, von Gemeindewachstum und Massenbekehrungen. Von Erfolg eben. Ist ja auch toll, wenn Menschen "den Durchbruch erleben." Erfolg! Grund zur Freude! Nicht anders, als irgendwo sonst. Nicht anders, als damals schon in Galiläa.

"Herr! Es hat geklappt! Das Reich Gottes bricht tatsächlich an, wie du es gesagt hast. Die Macht der Finsternis, des Bösen, des Leids und der Unterdrückung -- sie beginnt zu bröckeln!" Selbst "die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen."

Nur ein Schulterzucken?

Umso auffälliger ist es, dass Jesus nicht mit in die Jubelrufe einstimmt. Dabei müsste er doch froh sein, eine solche Rückmeldung zu bekommen von seinen Nachfolgern, die er sonst eher regelmäßig als "Kleingläubige" zu bezeichnen scheint. Haben Sie nicht alles richtig gemacht? Sind nicht gerade ihre Erfolgsberichte Zeichen dafür, dass sie seine Botschaft vom anbrechenden Gottesreich endlich verstanden haben. Also, zumindest ansatzweise? Oder? Jesus...?

Fast hört man ein Schulterzucken an dieser Stelle: Klar hat das funktioniert. Ich habe es euch doch schließlich immer gesagt. Die Macht des Bösen ist gebrochen. "Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz." Und habe ich euch nicht genau dazu beauftragt, Kranke zu heilen, und Dämonen auszutreiben? "Seht, ich habe euch Macht gegeben, zu treten auf Schlangen und Skorpione, und Macht über alle Gewalt des Feindes; und nichts wird euch schaden." Natürlich hat das funktioniert. Habt ihr denn ernsthaft etwas anderes erwartet? Nach allem, was ihr mit mir bereits erlebt habt, müsste das doch selbstverständlich gewesen sein, oder?

Mal ganz ehrlich: Auf englisch nennt man das "party pooper". So etwas wie, "Spielverderber". Ich kann es förmlich vor mir sehen, wie die Begeisterung auf einen Schlag verflogen ist. Wie sich vielleicht sogar Enttäuschung breit macht: Da kommen wir mit so einer tollen Meldung und dann soll das alles nichts gewesen sein?

Dabei ist das nun wirklich nicht das, was Jesus gesagt hat. Wer ihn kennt, müsste das eigentlich wissen. Wer mit ihm unterwegs war wie die Jünger, müsste das eigentlich begriffen haben: Natürlich freut sich Jesus von Herzen über jeden Menschen, der die gute Nachricht des Evangeliums annimmt. Natürlich ist Jesus glücklich, wenn die Macht Gottes einen Menschen berührt und frei macht -- sei es von Krankheit oder von etwas anderem, das ein Leben belastet, quält und gefangen hält. Genau so ist Jesus ja selbst unterwegs. Genau davon redet er. Genau das passiert, wenn er den Menschen begegnet. Und genau so versteht er seinen Auftrag:

Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat und gesandt, zu verkündigen das Evangelium den Armen, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und die Zerschlagenen zu entlassen in die Freiheit und zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn. (Lukas 3,18-19)

Jesus freut sich über Gottes befreiende Kraft. Und wo das heute noch passiert, wo Menschen frei werden und Gott ihnen Glauben schenkt und Vergebung und neues Leben, da freut er sich noch heute genauso. Und ich freue mich mit. Ihr vermutlich auch, oder?

Schade um die Geistergeschichten

Was machen wir also mit dieser Reaktion?

Weiterlesen wäre mein Vorschlag. Jesus ist ja noch gar nicht fertig:

Doch darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind.
Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Schade, eigentlich. Die Geschichte mit den Geistern wäre sicher interessant gewesen. Gerade da, wo Jesus in drei Versen Tür und Tor geöffnet hat für die spannendsten Ideen über Dämonen und Satan, über Blitze vom Himmel und Macht über Geister, da stellt er klar, dass es Wichtigeres gibt. Viel Wichtigeres.

Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Ganz einfach. So.

Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Ich liebe diesen Jesus. Gottes Fleisch gewordenes Wort, in dem die Fülle seiner Herrlichkeit wohnt. Erst in ihm -- nur in ihm -- sehen wir, wie Gott, der uns unsichtbar und verborgen bleibt, wirklich ist. Wie er tickt. Dieser Jesus ist Gottes Botschaft für uns, seine gute Nachricht. Evangelium. Wie einer meiner lieben Freunde zu sagen pflegt: "Jesus Christus ist das Attraktivste, das der christliche Glaube zu bieten hat." Ich liebe diesen Jesus.

Und jedes Mal, wenn er nicht nur seine Gesprächspartner damals, sondern auch mich wieder einmal mit offenem Mund stehen lässt; jedes Mal, wenn endlich der Groschen fällt und mir plötzlich wieder ein Stück mehr über den großen, unendlichen, grenzenlos liebenden und uns ganz nahen Gott bewusst wird; da liebe ich ihn noch ein wenig mehr. So wie hier.

Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Das ist keine Erfolgsmeldung. Schade. Ich mag die nämlich auch, das gebe ich zu.

Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Dazu habe ich keinen einzigen Millimeter beigetragen. Und die Jünger auch nicht. Weder die Zwölf noch die Zweiundsiebzig.

Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Im Himmel schreiben, so wie man sich das hier vorstellen muss, in einer Art Bürgerverzeichnis, das kann nur einer.

Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

" Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus", schreibt Paulus (Philipper 3,20), der sich bekanntlich mit Bürgerrechten auskannte.

Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Das ist 100% Gott und gar nichts, was von mir stammt.

Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

"Gnade", nennt man das, wenn ich etwas Gutes bekomme, obwohl ich nichts getan habe, um das zu verdienen.

Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Über alle erfreulichen Erfolgsmeldungen -- auch die geistlichen! -- hinaus ist das eine gute Nachricht. Die beste Nachricht. "Evangelium" könnte man so etwas nennen.

Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Über alle erfreulichen Erfolgsmeldungen hinaus. Und vor allem auch da, wo es gar keine Erfolge zu vermelden gibt.

Darüber haben wir bei all dem Jubel nämlich noch gar nicht geredet. Das verdrängen wir oft lieber: Dass Erfolg nicht immer garantiert ist. Da hängen wir uns lieber an unsere ganz persönliche Version des sogenannten "American Dream". Wenn es andere zum Erfolg gebracht haben, vom Tellerwäscher zum Millionär, dann wird mir das doch irgendwann auch gelingen.

Ich muss ja gar kein Millionär werden. Ich habe ja ganz andere Prioritäten. Wie die zweiundsiebzig Jünger auch. "Trachtet zuerst nach Gottes Reich..." und so.

Und dann rede ich mir den Mund fusselig und der Andere glaubt trotzdem nicht an Jesus.

Und dann bete ich mir die Knie wund und die Heilung bleibt trotzdem aus.

Und dann vertraue ich bis zum Äußersten und das, was mir fehlt, fehlt immer noch.

Und dann hoffe ich bis zum letzten Strohhalm und sehe doch so viel Leid und Not und Enttäuschung und Verletzung und das bleibt.

Und dann lebe ich mit festem Blick auf Jesus und am Ende... Ja, was bleibt am Ende eigentlich?

Erfolg ist keine Garantie. Im Leben nicht. Im Glauben nicht.

Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Wisst ihr, gerade in meiner Kirche höre ich jeden Tag davon: Von Pfarrplänen und Kirchenaustritten und demografischen Entwicklungen bis 2050, die nun wirklich nicht rosig aussehen. Und all die hoffnungsvollen Aufbrüche und zarten Pflänzchen und der aufopfernde Einsatz so vieler und die wunderbaren Dinge, die Menschen mit Gott erleben, die scheinen manchmal fast zu verblassen vor dem, was uns daran erinnert, dass vieles, was wir tun, nicht mit Erfolg gekrönt ist. Da könnte man manchmal fast verzweifeln.

Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Und dann gibt es wieder die hoffnungsvollen Tage, die von sichtbarem Erfolg gekrönten Bemühungen, die schönen Erlebnisse. Da könnte man das eben gesagte fast wieder vergessen und so tun, als käme alles doch noch auf jeden Fall zu einem guten Ende, wenn ich mich nicht ganz blöd anstelle und mich voll reinhänge.

Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Danke, Jesus, dass du mich daran erinnerst, dass Gottes Zuwendung zu mir nicht von meinen Erfolgen abhängt.

Das ist gut so, sonst wäre ich in der Summe arm dran. Weil es bei mir eben beides gibt: Erfolg und Misserfolg. Höhenflüge und Bauchlandungen. Auch im geistlichen Leben.

Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Diese Botschaft von der Gnade Gottes ist mir wichtiger als alles andere. Und mehr Grund zur Freude, als alles, was ich sonst je erleben könnte.

Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Egal, ob ich der "erfolgreichste" Christ auf dieser Welt werde, oder der größte Versager bin. Egal, ob ich von einem geistlichen Höhepunkt zum anderen eile, oder der untreuste Mensch in der ganzen Kirche bin. Egal, ob ich Bekehrungen, Heilungen, Zeichen und Wunder en masse erlebe oder ob ich schon bei der kleinsten Herausforderung ins Zweifeln gerate. Eines bleibt gleich: Es kommt nicht auf mich an, sondern auf Gott!

Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Ein Freund hat vor einiger Zeit auf das bekannte Gleichnis von den Talenten Bezug genommen. "Am Ende des Tages", schrieb er, "zählt nur eines: Dass Gott dir sagt, 'Gut gemacht, du tüchtiger und treuer Knecht.'"

Welch ein Erfolgserlebnis wäre das!

Lange habe ich auch so gedacht. Jetzt habe ich energisch widersprochen. Ich würde mich freuen, das aus Gottes Mund zu hören. Ich hoffe und bete, dass er mir dazu hilft.

Aber am Ende des Tages kommt es auf etwas ganz Anderes an:

Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Das will ich mitnehmen.

Ich freue mich über Erfolge. Ich bin genauso neugierig wie jeder andere, Einblicke in unbekannte Welten zu erhaschen. Ich bin genauso begeistert, wenn Menschen befreit werden und geheilt und erneuert.

Aber selbst, wenn ich nie einen einzigen Engel zu Gesicht bekomme; selbst wenn ich nie mehr wieder auch nur einen kleinen Erfolg verbuchen kann; selbst wenn ich auf jedes begeisternde Erlebnis verzichten müsste...

Eines ist der Grund meiner Freude, und das reicht.

Mein Name ist im Himmel geschrieben.

Deiner auch.

In meiner evangelischen Kirche ist heute Michaelisfest. Das Fest des Erzengels Michael und aller Engel. Aber vorne am Altar und an der Kanzel hängen heute weiße Paramente. Michaelis ist ein Christusfest. Genauer: Ein österliches Fest. Es geht um Gott in der Auseinandersetzung mit dem Dunkel. Es geht gar nicht so sehr um Engel. Es geht um einen Kampf, den Christus gewinnt und das Ergebnis ist genau dieses:

Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Also, liebe Mötzinger Geschwister: Freut euch! Eure Namen sind im Himmel geschrieben.

Amen.

Predigttext

Lukas 10,17-20

In aller Kürze

Es gibt etwas, was wichtiger ist, als jedes Erfolgserlebnis, wichtiger als die tollste geistliche Erfahrung -- und deshalb auch dann noch ein Grund zur Freude, wenn Erfolg und tolle Erfahrungen ausbleiben.

Fragen zur Vertiefung

Zu dieser Predigt hat Christoph eine Reihe von Fragen hinterlegt, die in der Kleingruppe zur Vertiefung weiter besprochen werden können:

  1. Welche Rolle spielen Erfolg und Misserfolg in deinem Leben? In deinem Glaubensleben?
  2. Wie würde deiner Meinung nach ein "erfolgreicher" Christ aussehen? Und was ist, wenn dein Leben anders aussieht?
  3. Wie und wo zeigt es sich konkret, dass du dich freust, dass dein Name im Himmel aufgeschrieben ist?

Über Christoph

Christoph Fischer (* 1978) ist Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg auf der Pfarrstelle „Erlöserkirche“ in Albstadt-Tailfingen.

Christoph ist verheiratet mit Rebecca. Gemeinsam haben sie drei Töchter.

Pfarrer