Bild: pixabay / schuldnerhilfe, Lizenz: CC0
Aufnahme der Predigt (11:06)
Um die Datei zu speichern, klicke mit der rechten Maustaste auf den Link und wähle "Ziel speichern ..."
Begleitzettel zur Predigt
Um die Datei zu speichern, klicke mit der rechten Maustaste auf den Link und wähle "Ziel speichern ..."
Begleitzettel zur Predigt (leer)
Um die Datei zu speichern, klicke mit der rechten Maustaste auf den Link und wähle "Ziel speichern ..."
Druckbare Version des Predigttexts
Predigt als E-Book
Du kannst den Text dieser Predigt auch als E-Book im EPub-Format lesen. Um die Datei zu speichern, klicke mit der rechten Maustaste auf den Link und wähle "Ziel speichern ..."
Die Predigt "Leere Taschen" von Christoph Fischer und alle dazu gehörigen Ressourcen (Predigtzettel, Aufnahme) sind lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz. Verwendete Bilder stehen eventuell unter eigenen Lizenzbedingungen. Ausdrücklich von der Creative Commons-Lizenz ausgenommen sind die Logos und Namen der Gemeinde, in der die Predigt gehalten wurde und ihrer Arbeitsbereiche.

Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater und von Jesus Christus, seinem Sohn!

Liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus,

Das ist doch wieder typisch Jesus! Er ist immer für eine Überraschung gut.

Damit meine ich nicht die Tatsache, dass ihm der Anblick seiner Landsleute das Herz bewegt. "Geängstet und zerstreut wie Schafe, die keinen Hirten haben." Dieses Prophetenzitat scheint das Volk ganz gut zu beschreiben. Und Jesus weiß die Antwort: Die Menschen müssen das Evangelium hören. "Tut Buße und bekehrt euch, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen." Das ist es, was sie wissen müssen: Gottes Reich bricht in diese Welt herein. Es gibt keinen Grund mehr, sich zu fürchten. Das ist die Jesusbotschaft vom ersten Moment an. Das wussten schon die Engel in der Weihnachtsnacht: "Fürchtet euch nicht. Siehe, ich verkündige euch große Freude, denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr." Mit der Ankunft des Gottessohnes ändert sich die Situation dieser Welt radikal. Gott wendet sich seinen Menschen auf nie dagewesene Art und Weise zu. Er ist da. Kein Grund zur Furcht mehr. Kein Grund zu panischem Herumrennen und Herumdenken und Herumleben. Es gibt einen Hirten. Einen, der weiß, wo es langgeht zu echtem Leben voll von Gottes Frieden. Evangelium, eben. Gute Nachricht. "Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen." Das müssen die Menschen hören. Das ist es, was Jesus sieht. Und er ist längst dabei, dieses Evangelium zu predigen: in allen Städten und Dörfern, überall wo man in hören will. Mehr noch: Er ist längst dabei, dieses Evangelium zu leben. Wenn Gott den Menschen nahe kommt, dann berührt seine Kraft und Stärke direkt ihr leben. Das sieht man dann auch einmal ganz praktisch: Lahme gehen, Blinde sehen, taube Ohren gehen auf. "Er heilte alle Krankheiten und Gebrechen", berichtet Matthäus hier. Zeichen des ankommenden Gottesreichs. Evangelium praktisch.

So ist Jesus. Das ist also nicht die Überraschung.

Aber sicher hätte keiner der Jünger mit dem gerechnet, was nun passiert. "Jetzt seid ihr dran", sagt Jesus. "Macht es wie ich: Geht, und predigt vom nahen Himmelreich." Hm. Schluck. Ich? Predigen? Vor Menschen? Mancher würde vielleicht lieber ein Loch graben und sich drin verstecken? Öffentlich reden? Und wenn ich mich blamiere? Was, wenn mir keiner zuhört? Was, wenn alle lachen? Was, wenn... "Geht", sagt Jesus. Die Menschen müssen das Evangelium hören. Es gibt noch so viele. Ich brauche euch. Also geht, und predigt.

Schluck. Na gut, vielleicht bekomme ich das ja hin. Ich habe ja selbst das wesentliche gehört. Und verstanden. Das jetzt weiterzusagen, sollte doch irgendwie machbar sein.

Aber Jesus ist noch nicht fertig: "Geht und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. [Und dann] macht Kranke gesund, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus." Okay. Wenn's weiter nichts ist. Moment mal: Was? Das kann nicht dein Ernst sein, Jesus! Wie sollen wir das denn machen? Darf ich dich daran erinnern, dass von uns keiner der Mensch gewordene Gottessohn ist? Wir sind nur ganz gewöhnliche Menschen! Wir haben doch nichts, womit wir deine Wunder vollbringen könnten! Das geht doch nicht, Jesus!

Schluck!

Wie gut, dass wir diese Geschichte nur aus der Entfernung lesen. Wir sitzen gemütlich hier in der Peterskirche und vielleicht ist mancher jetzt heilfroh, dass er nicht damals live dabei war. Oder wüsstest du jetzt spontan, wie du das anstellen sollst? Wie gut, dass wir hier sind und nicht dort...

Liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus,

Der Gott, der sich in Jesus offenbart ist immer für eine Überraschung gut. Immer wieder beruft er Menschen in seinen Dienst, die völlig ungeeignet scheinen. Und das auch wissen.

Glaubt ihr, Abraham wäre so ohne weiteres darauf vorbereitet gewesen, sein Land und seine Heimat und alles, was er sein Leben lang kannte, zu verlassen? Das weiß Gott doch. Und trotzdem ruft er ihn.

Mose sagte gleich: Ich kann doch gar nicht reden. Das weiß Gott doch. Und trotzdem ruft er ihn.

Gideon war ein Angsthase, der sich in einer Höhle vor den Feinden versteckte. Mit unendlich vielen Zweifeln. Das weiß Gott doch. Und trotzdem ruft er ihn.

David war viel zu klein für die Rüstung, als der Kampf gegen Goliat bevorstand. Er hatte nicht einmal ein eigenes Schwert dabei. Das weiß Gott doch. Und trotzdem ruft er ihn.

Jeremia wendet ein: Ich bin zu jung. Das weiß Gott doch. Und trotzdem ruft er ihn.

Eigentlich sollte es niemand überraschen, dass Gott auch uns ruft. Ja, das tut er nämlich. Jeden einzelnen von uns. Wir sind da mit eingeschlossen in die Berufung, die er den Jüngern gibt. Nicht nur durch die Tatsache, dass die Apostel in den Evangelien immer irgendwie stellvertretend für die ganze spätere Gemeinde stehen. Jesus macht es ganz eindeutig, wenn er für uns und alle, die vor und nach uns kommen, seinen Auftrag zusammenfasst: "... gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe." (Mat. 28,19-20). Das gilt uns. Das gilt mir. Da ist er, der Auftrag.

Wie soll das gehen? Wie soll ich das schaffen? Wie soll ich Teil dieses Auftrags sein? Plötzlich stehen wir vor dem selben Dilemma wie die Jünger damals. Wir können das doch gar nicht!

"Ihr sollt weder Gold noch Silber noch Kupfer in euren Gürteln haben, auch keine Tasche für den Weg, auch nicht zwei Hemden, keine Schuhe, auch keinen Stecken." Mit anderen Worten: "Nehmt nichts mit", sagt Jesus. Und das ist kennzeichnend für den ganzen Auftrag. Das, wozu Jesus uns ruft, kann man nicht mit einem geschickten Artikel aus der Trickkiste lösen. Es gibt kein Gimmick, mit dem das dann alles irgenwie ganz einfach geht. "Nehmt nichts mit", sagt Jesus. "Ihr braucht dazu nichts weiter."

Wie soll das gehen?

Eines haben wir den Jüngern voraus. Als Jesus im Missionsbefehl für uns den Auftrag noch einmal zusammenfasst, verrät er die Lösung im Grunde schon. "Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden", sagt er da. Und: "Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende."

Ja, wir würden wahrscheinlich ganz schön alt aussehen, wenn wir so unterwegs wären: mit leeren Taschen und leeren Händen und leeren Worten -- nichts zu sagen und nichts vorzuweisen, was diesem Auftrag auch nur ansatzweise entsprechen würde. Aber das Entscheidende liegt ja auch nicht bei uns selbst: Jesus ist bei uns. Er, der alle Macht hat. Er, der alles kann. Er, der Gottessohn, der Messias.

Was uns zu tun bleibt ist, ihm zu vertrauen. Ohne Plan B. Ohne Hintertürchen. Ohne irgendeinen Trick in der Tasche, falls es doch nicht funktioniert.

Vertrauen. Das ist es doch, was Jünger ausmacht. Nachfolger. Christenmenschen. Glaubende. Genau das ist es nämlich doch, was Glaube bedeutet. Vertrauen. Ich verlasse mich auf ihn. Er ist dabei. Er wird's richten!

Wenn ich mir den Auftrag, den Gott uns allen mitgibt, bewusst mache, muss ich noch manches Mal schlucken. Dass ausgerechnet ich so vom Evangelium reden, so die Hoffnung leben, soll, dass in anderen Menschen Glaube geweckt wird, kann ich mir oft kaum vorstellen. Besonders dann, wenn es nicht nur um theoretische andere geht, sondern wenn diese anderen dann ganz real vor mir stehen.

Geht, sagt Jesus. Redet vom Evangelium, von der Ankunft des Himmelreichs. Lebt im Vertrauen auf das, was Gott kann. Und jedesmal, wenn ihr das tut, seid ihr ein Zeugnis von der Gnade Gottes, der Menschen mit leeren Taschen den Mund und die Hände füllen kann.

Und siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.

Darauf will ich vertrauen.

Amen.

 

Predigttext

Mt 9,35-10,1.5-10

In aller Kürze

Ganz überraschend predigt Jesus nicht nur selbst das Evangelium, sondern sendet sein Jünger aus, um dasselbe zu tun. Nicht nur seine Jünger damals: auch uns! Mit leeren Taschen und leeren Händen und ohne Spezialausrüstung bleibt uns nur eines, um diesen Auftrag zu bewältigen: Ganz auf Gott vertrauen!

Über Christoph

Christoph Fischer (* 1978) ist Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg auf der Pfarrstelle „Erlöserkirche“ in Albstadt-Tailfingen.

Christoph ist verheiratet mit Rebecca. Gemeinsam haben sie drei Töchter.

Pfarrer