Bild: pixabay / SusyNoda, Lizenz: CC0
Aufnahme der Predigt (11:50)
Um die Datei zu speichern, klicke mit der rechten Maustaste auf den Link und wähle "Ziel speichern ..."
Druckbare Version des Predigttexts
Predigt als E-Book
Du kannst den Text dieser Predigt auch als E-Book im EPub-Format lesen. Um die Datei zu speichern, klicke mit der rechten Maustaste auf den Link und wähle "Ziel speichern ..."
Die Predigt "Über den Jordan" von Christoph Fischer und alle dazu gehörigen Ressourcen (Predigtzettel, Aufnahme) sind lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz. Verwendete Bilder stehen eventuell unter eigenen Lizenzbedingungen. Ausdrücklich von der Creative Commons-Lizenz ausgenommen sind die Logos und Namen der Gemeinde, in der die Predigt gehalten wurde und ihrer Arbeitsbereiche.

Angst vor der unbekannten Zukunft

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und von Jesus Christus, unserem Herrn!

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

Die Zukunft ist unbekannt. Wie oft habe ich mir schon gewünscht, ich könnte genauer wissen, was alles auf mich zukommt. Wie sich diese Welt weiterentwickelt. Welchen Herausforderungen ich mich stellen werden muss. Wie das alles funktionieren soll. Oder auch einfach, wie das Wetter nächste Woche wird. Aber ich weiß es nicht. Die Zukunft ist unbekannt.

In manchen Fragen stört mich das auch gar nicht groß. Das mit dem Wetter lassen wir einfach mal auf uns zukommen. Und wenn es schneit, dann schneit es halt. Und ich werde Schnee schippen. Bleibt mir ja gar nichts anderes übrig. Manches muss man nehmen, wie es kommt. Und das ist dann auch gar nicht so schlimm.

In anderen Fragen habe ich da schon mehr Schwierigkeiten: Wo geht es hin mit unserem Land? Werden wir weiter Frieden haben? Werde ich im Alter genug zum Leben haben? Werden meine Kinder sich zu einem guten, eigenständigen und erfüllten Leben entwickeln? Oder auch die ganz persönlichen Fragen: nach meiner Gesundheit, nach meiner Zukunft, manchmal auch einfach nur nach dem nächsten Schritt. Auch auf diese Fragen habe ich keine verlässlichen Antworten und das bringt mich manchmal ganz schön ins Schleudern. Da fällt es mir oft gar nicht leicht, im Vertrauen auf Gott Schritt für Schritt weiterzugehen, wenn ich doch noch gar nicht weiß, wo diese Schritte mich hinführen werden.

Liebe Schwestern und Brüder, wenn ihr das nachvollziehen könnt, dann lasst euch sagen: Wir sind damit nicht allein. Das sehen wir bereits im heutigen Text, eigentlich dem Predigttext des vergangenen Sonntags, aus dem dritten Kapitel des Josuabuchs:

Und Josua sprach zum Volk: Heiligt euch, denn morgen wird der HERR Wunder unter euch tun.
Und Josua sprach zu den Priestern: Hebt die Bundeslade auf und geht vor dem Volk her! Da hoben sie die Bundeslade auf und gingen vor dem Volk her. Und der HERR sprach zu Josua: Heute will ich anfangen, dich groß zu machen vor ganz Israel, damit sie wissen: Wie ich mit Mose gewesen bin, so werde ich auch mit dir sein. Und du gebiete den Priestern, die die Bundeslade tragen, und sprich: Wenn ihr an das Wasser des Jordans herankommt, so bleibt im Jordan stehen.

Und Josua sprach zu den Israeliten: Herzu! Hört die Worte des HERRN, eures Gottes! Daran sollt ihr merken, dass ein lebendiger Gott unter euch ist und dass er vor euch vertreiben wird die Kanaaniter, Hetiter, Hiwiter, Perisiter, Girgaschiter, Amoriter und Jebusiter: Siehe, die Lade des Bundes des Herrn der ganzen Erde wird vor euch hergehen in den Jordan. (Josua 3,5-11)

Über den Jordan

Ein ganzes Volk steht an der Schwelle zu dem Land, das Gott ihnen versprochen hat. Er hat sie aus der Sklaverei in Ägypten geführt, durchs Rote Meer und in die Wüste. Er ist ihnen begegnet und hat zu ihnen geredet. Er war treu, als die Generation der Eltern den Mut verlor und das Vertrauen und als sie in der Folge vierzig Jahre in dieser Wüste blieben. Gott war da, jeden Tag. Er hat sie begleitet und versorgt. Und er hat ihnen so vieles versprochen. Nun, endlich, nach so langer Zeit, wird sich zeigen, ob er seine Versprechen auch wirklich einlöst. Israel steht an der Schwelle. An der Grenze zum gelobten Land. Am Jordan.

"Über den Jordan gehen" sagen wir heute, wenn wir meinen, das jemand stirbt. Da hat das einen sehr schalen Beigeschmack. Dabei ist der Ursprung dieser Redensart ganz anders. "Über den Jordan" geht man ins gelobte Land. Auf der anderen Seite des Flusses liegen die herrlichen Verheißungen Gottes bereit. Über den Jordan zu gehen ist ein Übergang in ein besseres Leben. Verheißungsvoll. Voller Hoffnung. Wenn ein Christ am Ende des Lebens "über den Jordan geht", dann hören wir da schon die Glaubenshoffnung auf die Auferstehung in Christus mit: "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt." (Johannes 11,25). Über dem Jordan, da ist Gottes neue Welt. Spannend. Verheißungsvoll. Heißersehnt. Natürlich will ich "über den Jordan."

Aber wer sagt, dass er "über den Jordan geht", der steht, wie Israel, noch auf dieser Seite des Flusses. Der ahnt zwar, was dort auf ihn wartet. Aber er ist noch nicht dort. Er sieht es noch nicht. Er hat es noch nicht ergriffen. Die Zukunft ist unbekannt. Und dazwischen liegt der Jordan. Die meiste Zeit des Jahres ein gemächlicher Fluss ohne große Tiefe. Aber zu manchen Jahreszeiten auch ein reißender Strudel, der alles mit sich zu ziehen droht. Natürlich auch an diesem Tag. Ausgerechnet. Und jetzt steht Israel am Jordan. So wie ich auch an vielen Momenten meines Lebens. Und ganz sicher eines Tages, in dem Moment, der unausweichlich auf mich zukommt, wenn es dann endgültig "über den Jordan" gehen soll. Und das Wasser tobt. Am Ufer des Jordans kann man nasse Füße bekommen. Und kalte Füße. Will man da überhaupt noch über den Jordan?

Zeichen und Wunder -- man muss sich wundern

"Auf geht's, über den Jordan", sagt Josua. Gott hat es versprochen, dass er mit uns geht. "Heiligt euch. Morgen wir der Herr Wunder tun unter euch."

Wie soll das gehen, Josua? Siehst du denn nicht die Strömung? Siehst du nicht, wie bedrohlich das ist? Gefährlich? Kalt? Und unsicher? Und keiner weiß wirklich, was auf der anderen Seite liegt. Will ich überhaupt über den Jordan? Wenn ich nur wüsste, was die Zukunft bringt! Aber ich weiß es nicht. Die Zukunft bleibt unbekannt.

Und die Priester, die die Lade des Bundes des HERRN trugen, standen still im Trockenen mitten im Jordan. Und ganz Israel ging auf trockenem Boden hindurch, bis das ganze Volk über den Jordan gekommen war. (Josua 3)

Eine Wundergeschichte. So etwas gibt es in der Bibel. Ach, wenn's das auch bei mir gäbe!

Aber noch weiß Israel ja gar nicht, wie das ausgeht. Und doch: Man hätte es ahnen können! War nicht schon einmal so etwas geschehen? Damals standen sie am Roten Meer mit der Armee der Feinde im Rücken. Und der Verzweiflung im Gesicht! Und dann teilte Gott die Fluten und das ganze Volk zieht trockenen Fußes hindurch. Das kann er wieder tun! "Heiligt euch", sagt Josua. Ihr seid doch anders, als andere. Anders als die, "die keine Hoffnung haben", sagt Paulus im Thessalonicherbrief. "Morgen wird der Herr Wunder tun unter euch", sagt Josua. Woher weiß der, was morgen passiert? Die Antwort ist ganz einfach: Er weiß es auch nicht. Aber er weiß, was gestern passiert ist. Und vor 40 Jahren am Roten Meer. Da war Gott treu. Er war da. Und er hat bereits Wunder getan. Zeichen. Auf ihn kann man sich verlassen.

Ach, wenn ich doch auch solche Zeichen bekäme! Wie viel leichter fiele es mir zu glauben. Zu vertrauen.

"Dies ist mein Geliebter Sohn", sagt Gott. Da ist einer gekommen, der ist selbst ein Zeichen. Das größte Zeichen, das es gibt. Gott ist bei uns. Er liebt uns. Er tut alles für uns -- sogar bis zum Kreuz, zum Tod. Und der Tod kann ihn nicht halten. Er ist auferstanden. Er lebt. In ihm sehe ich schon über den Jordan. Und er sagt mir zu, mit mir über jeden Jordan zu gehen. Ein Zeichen. Für uns, für mich.

"Du bist mein geliebtes Kind", sagt Gott. Nicht nur zu Jesus. Auch zu mir. "Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!" (Jesaja 43,1). Schon mal gehört? Klar. Bei der Taufe. Bei deiner Taufe. Als Gott dir versprochen hat, dich mit hineinzunehmen in das Leben seines Sohnes. Und in sein Sterben. Und in seine Auferstehung. Über den Jordan. Ein Zeichen. Ein ganz großes Zeichen. Gott hat Wunder getan. Auf ihn kann man sich verlassen.

Wahrscheinlich waren auch die Priester zaghaft, als sie den ersten Schritt ins Wasser taten. Und dann standen sie plötzlich im Trockenen, mitten im Fluss. Ganz Israel ging fröhlich über den Jordan.

Das passiert immer wieder. Klar. Gott hat doch schon so viele Zeichen gesetzt. Ich weiß: Auf ihn kann man sich verlassen. Das macht mir Mut zum nächsten Schritt. Auch in den Jordan.

Amen.

Predigttext

Josua 3,5-11.17

In Kürze

Die Zukunft ist unbekannt. Die Zweifel sind groß. Jeder Schritt fällt mir schwer und das Glauben sowieso. Was hilft mir, trotzdem vorwärtszugehen?

Über Christoph

Christoph Fischer (* 1978) ist Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg auf der Pfarrstelle „Erlöserkirche“ in Albstadt-Tailfingen.

Christoph ist verheiratet mit Rebecca. Gemeinsam haben sie drei Töchter.