Gedanken

Gedanken zu „sola scriptura“

Evangelische Christen halten sehr viel von „sola scriptura“, dem Prinzip, dass die Bibel eine ganz einzigartige Autorität hat. Dies wird zum Beispiel in der Glaubensbasis der Evangelischen Allianz deutlich, wo es heißt:

Wir bekennen uns […] zur göttlichen Inspiration der Heiligen Schrift, ihrer völligen Zuverlässigkeit und höchsten Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung.

„Sola scriptura“ heißt, dass ich als evangelischer Christ durch mein Gewissen gebunden bin, gehorsam nach dem zu leben, was ich aus der Bibel als Willen Gottes verstehe, und dies nicht von weiteren, externen Autoritäten abhängig zu machen. Das klingt ganz gut, wird aber vor allem dann spannend, wenn wir als Christen eben unterschiedliche Interpretationen desselben Texts haben und uns gegenseitig zugestehen müssen, dass jeder von uns zunächst einmal nach seinem Verständnis leben muss, wenn er dem Prinzip „sola scriptura“ treu bleiben möchte.

Trotzdem gibt es ein paar Punkte, die uns in dem dadurch entstehenden Dilemma weiterhelfen könnten:

  1. Ich vertraue auf den Heiligen Geist, der in mir wohnt, und dessen Aufgabe es ist, mich in alle Wahrheit zu leiten. Ich vertraue darauf, dass er mir hilft und mir Verständnis schenkt. Im Vertrauen auf diesen Beistand setze ich alles daran, den biblischen Text in seinem sprachlichen, kulturellen und zeitlichen Hintergrund so genau wie möglich zu verstehen, um darin die Brücken zu entdecken, die den Text für die heutige Zeit relevant machen.
  2. Ich lebe in Gemeinschaft mit anderen, geisterfüllten Christen. Im gemeinschaftlichen Ringen um die Wahrheit können wir voneinander lernen und so miteinander wachsen und Christus ähnlicher werden.

 

Glaubensbasis und Schriftauslegung

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Als im Jahr 1846 die Evangelische Allianz gegründet wurde, gab sie sich eine „Glaubensbasis“, um festzuhalten, worin (und worin nicht) die Gemeinsamkeiten der in der Allianz vereinigten Christen aus verschiedenen Kirchen und Gemeinschaften zu finden seien. Auch wenn der Text inzwischen anders lautet, weil er 1972 „sprachlich überarbeitet“ wurde, lohnt es sich, immer wieder einmal einen Blick auf die ursprünglichen ersten zwei Punkte dieser Glaubensbasis zu werfen. Und wer auf Punkt 1 besteht, sollte Punkt 2 nicht vergessen…

„Die Partner, aus denen sich die Allianz zusammensetzt, sollen nur solche Personen sein, die im Hinblick auf die untengenannten Lehren das haben und aufrechthalten, was man gewöhnlich unter einer evangelikalen Überzeugung versteht, nämlich:

1. Die göttliche Inspiration, Autorität und Allgenugsamkeit der Heiligen Schriften.

2. Das Recht und die Pflicht eines persönlichen Urteils in der Auslegung der Heiligen Schriften.

[…]“

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Wir müssen reden!

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Liebe Mitchrist*innen, wir müssen reden! Ja, wir müssen über unseren Glauben und unsere Werte reden. Das ist wohl nicht mehr selbstverständlich und es ist wichtig, dass wir hier eine klare Kante zeigen. Wir müssen reden: Miteinander und mit den Menschen um uns herum, damit sie wissen, wofür wir stehen. Gerade in unserer Zeit gibt es da ein paar brennend wichtige Themen — wenn wir nicht drüber reden, wer denn dann? Ich hab da mal kurz ein paar Dinge zusammengefasst, die wirklich wichtig wären:

Wir glauben an den einen Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat, Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.

Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott,
Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserem Heil
ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen
durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria
und ist Mensch geworden.
Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wiederkommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, christliche und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.

Ich denke, das reicht für den Anfang…

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Gliederschmerzen

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Es ist schmerzhaft und traurig, zu sehen, wie Geschwister in Christus, die aufgrund ihres Schriftverständnisses überzeugt sind, dass Homosexualität in Gottes Augen Sünde ist, fassungslos vor Entwicklungen in Gesellschaft und Kirche stehen und darunter leiden.

Es ist schmerzhaft und traurig, zu sehen, wie Geschwister in Christus, die aufgrund ihres Schriftverständnisses überzeugt sind, dass Homosexualität in Gottes Augen keine Sünde ist, fassungslos vor dem Fehlen von Entwicklung in Kirche und Gesellschaft stehen und darunter leiden.

Es ist schmerzhaft und traurig, zu sehen, wie Geschwister in Christus, die auch mit ihrer homosexuellen Orientierung von ganzem Herzen Jesus vertrauen und ihm auf der Basis ihres Schriftverständnisses folgen wollen, ausgegrenzt, angefeindet und verachtet werden.

Es ist schmerzhaft und traurig, wie wir als Geschwister in Christus uns von solchen Fragen trennen und spalten lassen und Jesus Christus, unseren Herrn und Heiland, nicht so vor den Augen der Welt verherrlichen, wie wir es eigentlich könnten.

Es ist schmerzhaft und traurig.

Was sollen wir tun?

Wir beten: Kyrie, eleison! Herr, erbarme dich!
Und mit Jesus: Vater, mach uns eins, damit die Welt erkennt, dass du den Sohn gesandt hast!

Und gemeinsam(!), mit den Worten, die uns unser einer Herr Jesus Christus gelehrt hat:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name!
Dein Reich komme!
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden!
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.

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7 Dinge, die jeder Christ über Heilung wissen sollte

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Nicht nur jetzt in der winterlichen Grippezeit, sondern jahraus, jahrein sind Krankheit, Leiden und Heilung ein Dauerthema. Weil auch Christen dabei immer wieder zwischen verschiedenen Extremen schwanken, habe ich die wichtigsten Punkte zum Thema „Heilung“ in sieben Thesen zusammengestellt:

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Manifest des Willkommens

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In diesen Tagen, in denen der zunehmende Flüchtlingsstrom die Nachrichten beherrscht und kein Ende der Not absehbar ist, fühle ich mich mehr und mehr gedrängt, ein paar grundsätzliche Gedanken zu diesem Thema aufzuschreiben. Die folgenden Punkte sind zunächst einmal meine persönliche Position, von der ich natürlich hoffe, dass sie von vielen geteilt werden wird. Sie stellen aus meiner Sicht die Grundlage des Willkommens, eine Art „Manifest des Willkommens“ dar.

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Kirche oder Gemeinde? Ein zweidimensionales Modell

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Das Deutsche ist eine der wenigen Sprachen, in denen es gleich zwei Worte für die ekklesia, die Versammlung der Kinder Gottes, gibt: „Kirche“ und „Gemeinde“. So alt wie dieses Doppelvokabular ist auch die Frage, welche der beiden denn nun die richtigere Bezeichnung für den Leib Christi, vor allem in seiner lokalen Ausprägung, sei. Continue reading „Kirche oder Gemeinde? Ein zweidimensionales Modell“

Über Christoph

Christoph Fischer (* 1978) ist seit mehr als 15 Jahren im hauptamtlichen pastoralen Dienst, zuletzt bei der Volksmission Freudenstadt. Ab August 2018 wechselt Christoph in den Pfarrdienst der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Christoph ist verheiratet mit Rebecca. Gemeinsam haben sie drei Töchter, Ann-Céline (* 2005), Emma (* 2007) und Pia (*2012).