Predigt
Getauft auf seinen Namen
Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn! Liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus, Es hat schon etwas Erschreckendes: Da zweifeln ausgerechnet die Jünger. Und zwar nicht…

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Gottesdienst
Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus,
Es hat schon etwas Erschreckendes: Da zweifeln ausgerechnet die Jünger. Und zwar nicht in einem der kritischen Momente, wo man es noch verstehen könnte. Als Jesus angefeindet wird, zum Beispiel. Als sich die öffentliche Stimmung gegen ihn und seine Botschaft wendet. Als er verhaftet wird -- dass die meisten da fliehen und Petrus ihn am Lagerfeuer verleugnet, das kann man irgendwie noch nachvollziehen. Bei der Kreuzigung, die sie zum größten Teil nur aus der Ferne verfolgen. Am Karsamstag, als er im Grab liegt und alles zu Ende scheint. Sogar am Ostermorgen kann man verstehen, dass sie zweifeln, als die Frauen ganz aufgeregt vom Grab zurückkommen und wild durcheinander reden -- von Engeln, von einer Botschaft, von Auferstehung und neuem Leben -- da kann man verstehen, dass sie da zweifeln.
Aber doch nicht hier. Nicht jetzt. Doch nicht gerade in dem Moment, als ihnen der Auferstandene selbst begegnet. Als er leibhaftig vor ihnen steht.
Da zweifeln sie!
Es hat schon etwas Erschreckendes -- und trotzdem auch etwas ungemein Erleichterndes noch dazu, wenn selbst die Jünger in der Begegnung mit dem Auferstandenen zweifeln. Ich bin so froh, dass die Evangelien diese Momente nicht verschweigen! So erlauben sie nämlich mir, mich da mit hineinzufinden. Mir, der ich eben auch ein Zweifler bin.
Nicht immer natürlich. Es gibt Tage, da fällt es mir äußerst leicht zu glauben. Glauben, das heißt ja nicht nur, etwas für richtig zu halten. Es heißt zu allererst, mein ganzes Vertrauen auf etwas zu setzen. Auf etwas, oder besser: auf jemanden. Es gibt Tage, da geht das spielend leicht, dieses Vertrauen auf den allmächtigen Gott als guten Vater, auf seinen Sohn Jesus Christus als meinen Herrn und Bruder und auf die heilige Geistkraft, durch die Gott in mir lebt. Da geht das geradezu von selbst.
Aber es gibt eben auch Momente, da scheint es mir überhaupt nicht zu gelingen. Da ringe ich um dieses Vertrauen. Da spricht alles, was ich fühle und denke, dagegen. Oder einfach überhaupt nicht drüber. Da ist mir Gott so fern wie die Enden des Universums. So scheint es zumindest, wenn ich zweifle.
Die zweifelnden Jünger kann ich nur zu gut verstehen.
Diese Begegnungen mit dem Auferstandenen, von denen die Evangelien berichtet, sind zu den Gründungsmomenten des Christentums geworden. Kaum vorstellbar, dass ohne diese Begegnungen so viele Menschen den Mut gefunden hätten, sich trotz aller Widrigkeiten zu Jesus Christus zu bekennen. Die Jesusgruppe wäre wahrscheinlich eine von vielen kurzlebigen Sekten geworden, von der wir heute vielleicht überhaupt nie etwas gehört hätten -- wenn es diese Begegnungen nicht gegeben hätte.
Umso passender scheint es, dass Jesus gerade in diesem Gründungsmoment auf das zu sprechen kommt, was den Gründungsmoment meines Glaubens ausmacht: auf das Hören des Evangeliums, der guten Nachricht von Gott, der als Mensch in Christus kommt um uns zu retten. Und auf das Zeugnis von diesem Evangelium im Zeichen der Taufe, in dem Gott selbst sich mir zuwendet, mich persönlich anspricht und mir zusagt: "Fürchte dich nicht. Ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen! Du bist mein."
Es gibt Momente, da steht mir dieses Versprechen ganz klar und deutlich vor den Augen. In anderen Momenten scheint es genauso weit weg wie der Rest meiner Glaubensgewissheit.
Und deshalb müssen wir es immer wieder hören, damit wir es festhalten können. Wir müssen immer wieder zurück zu diesem Gründungsmoment, zu Gottes Zusage und Versprechen -- gerade, damit wir in den Momenten, in denen das Glauben so unendlich schwer fällt, wie Luther sagen können: "Baptizatus sum." "Ich bin getauft." Alles Wesentliche ist bereits gesagt und daran gibt es nichts zu rütteln. Nichts zu zweifeln. Gott steht zu dem, was er da getan hat -- in meinem Gründungsmoment.
So lasst uns an die Taufe denken: an das Zeichen des Wassers, mit dem sich Gottes Versprechen verbindet. Ohne Wasser gibt es kein Leben. Kein Mensch, kein Tier, keine Baum, keine Pflanze kann ohne Wasser sein. Im Wasser der Taufe schenkt Gott uns das Leben, dass er uns in Christus verheißt.
Dieses Zeichen zieht sich quer durch die Bibel. Wir hören in der Urgeschichte, wie Wasser als tödliche Urgewalt die Schöpfung bedroht -- und wie Gott das Wasser bändigt. Wie er durch Wasser hindurch rettet und Leben schenkt, in der Geschichte von Noah und der großen Flut. Wie er die Menschen seines erwählten Volkes durch das Wasser des Roten Meeres in die Freiheit führt und ihre Unterdrücker darin untergehen. Wir hören, wie Jesus durch Johannes getauft wird und sich so an unsere Seite stellt.
Im Wasser sind wir getauft auf den Namen des dreieinigen Gottes.
Lasst uns an die Tauf denken: an den Namen Gottes, der ausgesprochen ist über unserem Lebens. Ich bin ja kein Schiff, das auf den eigenen Namen getauft wird. Den hatte ich vorher schon. Jetzt trage ich noch einen Namen. Den Namen des dreieinigen Gottes, Vater, Sohn und Heiliger Geist. In ihm erklingt sein Anspruch an mein Leben -- ein Anspruch, der mir zu allererst Zuspruch ist: Du gehörst zu mir. Du trägst meinen Namen und ich kenne deinen Namen. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen: Du bist mein! Und über dir hat man meinen Namen ausgerufen, einen Namen, der ...
Ja, was eigentlich? Was heißt das denn, dass sein Name über mir ausgesprochen wurde. Und überhaupt: Welcher Name?
Die Menschen zur Zeit Jesu hätten gelächelt über solche Fragen. "Das ist doch ganz klar", hätten sie gesagt. Dass Gott sich mit Namen vorstellt, ist schließlich eine ganz besondere Geschichte. Sie nimmt uns mit zurück in die Wüste, als Israel noch in der Sklaverei in Ägypten lebt. Noch so ein Gründungsmoment.
Aus einem brennenden Busch heraus spricht Gott zu Mose. Er hat sein Volk nicht vergessen. Er verspricht, sie in die Freiheit zu führen. Er beauftragt Mose, in seinem Namen zu handeln.
"In welchem Namen denn?", fragt sich auch Mose.
"Ich bin, der ich bin", liest man da in älteren Bibelübersetzungen. Das klingt fast nach: "Geht dich nichts an. Ich bin halt ich."
Im hebräischen Text steht da ein Name. "Jahwe."
Gott stellt sich mit Namen vor.
Und Namen haben im Hebräischen immer eine Bedeutung.
"Ich bin, der ich bin", ist eine sehr ungefähre Übersetzung dieses Namens Gottes. "Ich bin für euch da" ist eine viel bessere.
Ich bin für euch da.
Gottes Name ist Programm. Ist Zusage.
Ich bin getauft auf diesen Namen. Genau das hat Gott zu mir gesagt: Ich bin für dich da.
Immer. Und überall.
Womit wir wieder bei Jesus wären und bei den zweifelnden Jüngern, auf einem Berg in Galiläa. Im Gründungsmoment.
Genau das sagt er da nämlich: "Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an das Ende der Welt."
Im Gründungsmoment meines Glaubens hat er genau dasselbe gesagt. Dieses Versprechen Gottes, diese Zusage, erklingt bei jeder Taufe wieder:
"Ich bin bei dir alle Tage bis an das Ende der Welt."
Dafür steht Gott mit seinem Namen. Jahwe. Ich bin für euch da.
Auf diesem Namen bin ich getauft.
Und dem ist nichts hinzuzufügen.
Amen.
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