Predigt

Platzregen

Was hält in den Stürmen des Lebens

Was hält, wenn die Stürme des Lebens an mir rütteln? Auf der Suche nach einem sicheren Fundament begegnet mir Jesus mit dem Einzigen, was immer Bestand hat.

Titelbild zur Predigt "Platzregen".

Gottesdienste und Anlässe

  • 05.08.2021 · 10:00 Uhr · Augustenhilfe
    Gottesdienst

Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!

Liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus,

"Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus..." Die Bildillustrationen zu dem, was Jesus hier sagt, sehen wir dieser Tage in den Nachrichten, in Zeitung und Fernsehen. Heftiger Regen. Gewaltige Sturzbäche überschwemmen alles. Häuser stürzen ein. In den Überschwemmungsgebieten herrscht Verzweiflung. Nur langsam kommen die Rettungskräfte mit dem Wiederaufbau auch nur der nötigsten Dinge voran. Und das in unserem Land! Es sind schockierende Bilder und herzzerreißende Geschichte von Menschen, die alles verloren haben. Wenn der Platzregen kommt und die Wasserfluten und die Winde wehen und an das Haus stoßen.

Liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus,

Es gibt Menschen, auch hier im Raum, die haben das selbst erlebt. Damit meine ich nicht eine Überschwemmungskatastrophe, die das Haus zum Einsturz bringt. Darum geht es ja auch Jesus in seiner Schlussrede zur sogenannten "Bergpredigt" nicht in erster Linie. Nein, es gibt Menschen, auch hier im Raum, die haben die Sturmfluten des Lebens auf ganz unterschiedliche Art selbst erlebt. Wenn es scheint, als rüttle der Sturmwind das ganze Leben durch. Wenn einem so ist, als stürzten unendliche Fluten von Sorgen und Nöten in das Leben herein und man nicht weiß, wie lange man das noch aushalten können wird. Wenn man im Leben sprichwörtlich "ins Schwimmen kommt", wenn alles ins Wanken gerät, gar ins Rutschen. Nicht wenige haben solche Stärume des Lebens erleben müssen -- am eigenen Leib oder im Leben von lieben Menschen, die uns nahestehen. Manche sind dabei untergegangen. Andere haben Schaden genommen. Und einige können sagen, sie haben dem allem standgehalten. Sicher im Sturm. Standhaft in den Fluten des Lebens.

Bewundernd schauen wir solche Menschen an. Wir stellen uns die Frage: Wie macht der das? Wie bleibt die so sicher auch mitten im Sturm? Was hält ein Leben, das von den Fluten umtost wird und vom Wind zerzaust? Wie ein Fels in der Brandung des Meeres?

Jesus erklärt das in seinem Bild ganz einfach: Es braucht ein gutes Fundament. In Israel gibt es keine großen Flüsse wie bei uns. Das Land ist eher heiß und trocken. Viel davon ist Wüste, wo es kaum einmal Wasser gibt. Nur Sand und Stein. Und "Wadis". Das sind enge Wüstentäler mit sandigem Boden. Wer ein Haus bauen will, hat es dort einfach, die Baugrube auszuheben. Der lockere Wüstensand leistet keinen großen Widerstand. Die Arbeit geht gut voran. Schnell ist dort ein Haus gebaut. Ganz anders sieht es aus, wenn man auf den felsigen Höhen baut. Dort muss man sich seinen Baugrund mühsam in die Felsen hauen. Die bieten dafür dann aber auch das Fundament. Denn einmal im Jahr kommt in Israel die Regenzeit. Trockene Wüstentäler können sich in wenigen Minuten zu einem reißenden Fluß verwandeln. Der spült dann alles Weg, was sich ihm in den Weg stellt. Auch das leicht gebaute Haus, das nur auf Sand steht.

"Man braucht ein gutes Fundament", sagt Jesus.

Nichts Neues eigentlich. Das war den Menschen schon immer klar. Und die Geschichte, die er dazu erzählt, versteht selbst der Dümmste.

Man braucht ein gutes Fundament.

Nur: Welches?

Liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus,

Es geht mir wie vielen anderen: Ich weiß noch ganz genau, wo ich war, als die Nachricht kam. Ich war damals noch Student und machte ein Sommerpraktikum in einer Gemeinde. Dort saß ich Nachmittags im Büro, als der Anruf kam: Schaut mal in die Nachrichten! Es war der 11. September 2001. In Amerika war gerade ein Flugzeug in einen Turm des World Trade Centers gekracht. 20 Jahre ist das nun bald her. Und doch weiß ich noch ganz genau, wie das damals war. Als an diesem Tag die schrecklichen Fernsehbilder auf uns einströmten, war mir klar, dass die Welt nie mehr dieselbe sein würde. An diesem Tag war mehr zusammengebrochen als die Hochhaustürme in New York. Bis zu diesem Tag waren wir uns sicher gewesen, dass so etwas bei uns nicht passieren würde. Nicht in der zivilisierten, westlichen Welt. Überall sonst vielleicht. Aber nicht bei uns. Wir wägten uns in Sicherheit.

Sicherheit. So ein Lebensfundament.

Und dann kam der Platzregen und die Wasser und die Winde, und Flugzeuge, gesteuert von Menschen, die Böses wollten.

"Da fiel das Haus ein und sein Fall war groß."

Das Fundament unserer vermeintlichen Sicherheit hat nicht gehalten.

Liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus,

Es gibt viele solche Fundamente, auf die Menschen gerne bauen. Wohlstand. Vorsorge. Sie wissen schon: "Auf diese Steine können sie bauen."

Bildung. Familie. Netzwerke von Freunden und Vertrauten.

Manche haben Glück und der große Regen zieht vorbei.

Andere erleben den Platzregen und sehen ihr Lebensgebäude ins Wanken geraten.

"Da fiel das Haus ein und sein Fall war groß."

Davon können viele erzählen. Wenn das Fundament nicht gehalten hat.

Selbst gläubige Menschen mit besten Absichten sind daran gescheitert. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es eine ganze Bewegung, die ihren Glauben auf ein sicheres Fundament stellen wollten: mit klaren Kernsätzen, denen jeder zustimmen musste, wenn er ein wahrer Christ sein wollte. Der Name, den sie sich damals gaben, ist inzwischen fast zum Schimpfwort geworden: "Fundamentalisten".

Wenn der Platzregen kommt und die Wasser, und die Winde an das Lebenshaus stoßen, dann hilft die bloße Zustimmung zu irgendwelchen Glaubenssätzen auch nicht weiter.

"Da fiel das Haus ein und sein Fall war groß."

Davon können viele erzählen. Wenn das Fundament nicht gehalten hat.

Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.

Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.

Was ist denn nun ein sicheres Lebensfundament? Was hält wirklich stand, wenn die Stürme kommen?

"Wer meine Rede hört und tut sie", sagt Jesus. Allein aus dem Hören des Evangeliums kommt ein festes Fundament für das Bauwerk meines Lebens. Aus dem Hören des Evangeliums entsteht nämlich: Glaube.

Glaube.

Damit meine ich nicht ein bloßes Für-Richtig-Halten irgendwelcher religiösen Wahrheiten.

Glaube, das ist immer zuallererst Vertrauen.

Vertrauen auf den Gott, der mich hält.

Vertrauen auf den Gott, der mich nie allein lässt.

Vertrauen auf den Gott, der immer bei mir ist -- auch in den Stürmen und Notlagen des Lebens.

Vertrauen auf den, der sein "Ja" zu mir bereits unverbrüchlich gesagt hat.

Vertrauen, dass ich, wie Arno Pötzsch es dichtete, "nie tiefer fallen" kann "als in Gottes Hand".

Das ist es, was aus dem Hören des Evangeliums kommt.

Vertrauen ist kein Zaubermittel. Es setzt die Stürme des Lebens nicht magisch außer Kraft. Es sorgt nicht dafür, dass ich nie mehr durchgerüttelt werde bis auf die Knochen. Es verschont mich nicht davor, in den Krisen des Lebens nasse Füße zu bekommen.

Vertrauen ist das, was mich hält, wenn es stürmt und tost. Vertrauen ist das feste Wissen, dass ich mich auf Gott immer verlassen kann. Vertrauen ist die Geborgenheit, die ich selbst in den schlimmsten Momenten bei ihm finde.

Vertrauen kommt aus dem Hören des Evangeliums.

Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.

Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.

Liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus,

In diesen Tagen wird viel über das Frühwarnsystem diskutiert. Hätten die Menschen in den Überschwemmungsgebieten besser gewarnt werden können?

In den Wadis in Israel gibt es kein Frühwarnsystem. Da kommen die tosenden Fluten oft völlig unvorhergesehen.

Im Leben gibt es auch kein Frühwarnsystem.

Niemand von uns weiß, was noch kommen wird. Keiner kann sagen, dass alle Stürme vorüber sind.

Egal was kommt: Ich wünsche Ihnen das feste Vertrauen auf Gott, das in allen Fluten hält.

Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.

Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.

Amen.

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