Predigt
Hügelhüpfer
Frühling mitten im Winter
Auch bei uns ist die Sehnsucht groß: Frieden, Gerechtigkeit und Freude hat Gott versprochen, wenn er kommt. Das könnten wir wahrlich brauchen. Wie gut, dass Gott sein Versprechen hält. Daran können wir uns jetzt schon freuen.

Gottesdienste und Anlässe
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08.12.2022
· 10:00 Uhr
· Augustenhilfe
Gottesdienst
Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Aus dem Buch Hohelied, aus dem 2. Kapitel:
8 Da ist die Stimme meines Freundes! Siehe, er kommt und hüpft über die Berge und springt über die Hügel. 9 Mein Freund gleicht einer Gazelle oder einem jungen Hirsch. Siehe, er steht hinter unsrer Wand und sieht durchs Fenster und blickt durchs Gitter. 10 Mein Freund antwortet und spricht zu mir: Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm her! 11 Denn siehe, der Winter ist vergangen, der Regen ist vorbei und dahin. 12 Die Blumen sind hervorgekommen im Lande, der Lenz ist herbeigekommen, und die Turteltaube lässt sich hören in unserm Lande. 13 Der Feigenbaum lässt Früchte reifen, und die Weinstöcke blühen und duften. Steh auf, meine Freundin, und komm, meine Schöne, komm her!
(Hohelied 2,8-13)
Geliebte Gottes in der Augustenhilfe,
Er kommt! Das ist es, was wir feiern im Advent. Er kommt. Gott kommt.
Gott hat die Welt nicht vergessen.
Gott hat seine Menschen nicht sitzen lassen.
Gott hat seine Liebe uns, seinen Menschen, nie verloren.
Er kommt.
Im Advent erinnern wir uns an das lange Warten der Menschen vor uns. Wir erinnern uns an Israel, wo die Zusage von Gottes Heil über Jahrhunderte von den Propheten verkündet wurde. Wir denken an die Sehnsucht all derer, die unter anderen leiden mussten. Wir denken an das Verlangen derer, für die es keine Gerechtigkeit gab. Wir denken an das Warten all derer, die an der Welt verzweifelten und die an ihr zu zerbrechen drohten. Ihnen sprachen die Propheten Mut zu. Sie hielten sich an den Verheißungen Gottes fest. Sie beteten und flehten Gott an, doch etwas zu tun in ihrer Welt. Doch zu kommen, wie er es versprochen hatte.
Es hat lange gedauert. Aber die Verheißungen waren da:
Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir freut man sich, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt. Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians. Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er's stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth. (Jesaja 9,1-6)
Er kommt. Da waren sie sich sicher.
Er kommt.
Man weiß nicht wann.
Man weiß nicht wie.
Aber ganz sicher wissen wir eines: Gott hält sein Versprechen. Er kommt.
Fürchte dich nicht, Maria! Du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. (Lukas 1,30-33)
Er kommt! Jetzt wird es geschehen...
Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währet für und für bei denen, die ihn fürchten. Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit. (Lukas 1,46-55)
Er kommt.
Daran erinnern wir uns im Advent.
2.000 Jahre später.
Viele Jahrhunderte sind vergangen, seid er gekommen ist. Seid er da war und den Menschen Gott gezeigt hat--die Liebe Gottes in allen Facetten, bis hin zum Kreuz, wo er für seine Menschen stirbt. Bis hin zur Auferstehung, wo die Liebe stärker ist als selbst der Tod.
Seine Jünger haben ihn zum Himmel auffahren sehen. "Ich gehe zum Vater", hat er ihnen gesagt. Und er hat versprochen, wiederzukommen. Er hat versprochen, Gottes Reich in Fülle aufzurichten -- ein Reich von Frieden und Gerechtigkeit.
Seither ist wieder Advent.
Wieder eine Zeit der Hoffnung:
Er kommt. Mit Frieden und Gerechtigkeit. Und Freude.
Das könnten wir wahrlich brauchen in diesen Tagen, wo der Krieg gar nicht so weit von uns tobt. Wo Menschen auch hier in Europa ihre Heimat verlassen müssen, weil die Bomben alles zerstören. Weil man nicht mehr sicher leben kann. Frieden und Gerechtigkeit.
Das könnten wir brauchen in einer Zeit, wo Menschen Hunger leiden auf dieser Welt und kein Dach über dem Kopf haben, während andere -- auch wir -- in großem Wohlstand leben. Frieden und Gerechtigkeit.
Das könnten wir brauchen in einer Zeit, wo auch uns Wohlstandsverwöhnten hier die Angst umtreibt, dass es ein Ende haben könnte mit den fetten Jahren und das womöglich schon die Rechnung für die Heizung in diesem Winter unbezahlbar wird. Frieden, Freude und Gerechtigkeit.
Oh ja, das könnten wir brauchen in dieser Zeit, wo Menschen den Blick für die Realität verlieren, sich hinreißen lassen zu abstrusen Theorien, hinter jedem Busch eine Verschwörung wittern und den Umsturz planen, weil sie meinen, irgendwelchen anderen ausgeliefert zu sein. Frieden und Gerechtigkeit.
Die bräuchten wir ganz dringend, nach all der Zerstörung, die wir miteinander angerichtet haben in dieser Welt, die Gott uns anvertraut hat. Wo junge (und nicht mehr ganz so junge) Menschen heute daran verzweifeln, dass nicht genug geschieht, um auch für unsere Kinder und Enkel eine lebenswerte Welt zu erhalten. Wo verzweifelte Menschen sich an Straßen und Gemälde kleben und bereit sind, ins Gefängnis zu gehen, damit endlich etwas passiert.
Frieden und Gerechtigkeit. Und Freude.
Das täte uns dringend Not im Advent.
Und deshalb müssen wir uns neu erinnern: Er kommt!
Ausgerechnet ein Liebesgedicht spricht uns der Text von heute zu. Vielleicht ist es gerade das, was es braucht in Dunkelheit und Kälte. Auch die biblischen Texte sparen ja nicht an Beschreibungen von Not und Unheil. Aber mitten drin gibt es Zeilen wie diese, die Balsam sind für unsere Seelen. Mittendrin steht dieses Buch, das "Hohe Lied" mit seinen gewaltigen Bildern und seiner herzerwärmenden Geschichte von zwei Menschen, die die große Liebe gefunden haben.
8 Da ist die Stimme meines Freundes! Siehe, er kommt und hüpft über die Berge und springt über die Hügel. 9 Mein Freund gleicht einer Gazelle oder einem jungen Hirsch. Siehe, er steht hinter unsrer Wand und sieht durchs Fenster und blickt durchs Gitter. 10 Mein Freund antwortet und spricht zu mir: Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm her! 11 Denn siehe, der Winter ist vergangen, der Regen ist vorbei und dahin. 12 Die Blumen sind hervorgekommen im Lande, der Lenz ist herbeigekommen, und die Turteltaube lässt sich hören in unserm Lande. 13 Der Feigenbaum lässt Früchte reifen, und die Weinstöcke blühen und duften. Steh auf, meine Freundin, und komm, meine Schöne, komm her!
Auch aus diesen Zeilen spricht die Sehnsucht. Wir ahnen, dass es nicht immer leicht war dort hinter dem Fenstergitter, wo die Sprecherin dieser Zeilen sitzt. Wir hören vom Winter und vom Regen und denken an trostlose, kalte Tage. An unwirtliche Zeiten, wie wir sie auch kennen.
Aber vor allem hören wir von dem, was jetzt geschieht. Das ist mehr als Sehnsucht: Die Hoffnung ist schon so real, dass die Liebende sie vor ihren Augen wahr werden sieht. Und dass sie gar nicht mehr anders kann, als sich zu freuen:
Er kommt und hüpft über die Berge und springt über die Hügel.
Das ganze Gedicht und das Herz hüpft mit.
Mein Freund gleicht einer Gazelle oder einem jungen Hirsch.
Schon ist er "hinter unsrer Wand und sieht durchs Fenster und blickt durchs Gitter."
Ganz nahe gekommen.
"Tut Buße und bekehrt euch", sagt Jesus schon damals den Menschen, "denn das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen."
Friede und Gerechtigkeit. Und Freude.
Schon lässt er seine Stimme hören:
Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm her!
Und dann sind Winter und Regen nur noch Vergangenheit:
Die Blumen sind hervorgekommen im Lande, der Lenz ist herbeigekommen, und die Turteltaube lässt sich hören in unserm Lande. Der Feigenbaum lässt Früchte reifen, und die Weinstöcke blühen und duften.
Er ist gekommen. Er ist da.
Advent.
Oh, dass das auch uns geschehe!
Wenn ich seinen Worten Glauben schenke, wenn ich ihm vertraue, dann ist er auch uns schon ganz nahe.
Als würde man schon seine Stimme durchs Fenster hören.
Er kommt nämlich.
Ganz sicher!
Er kommt.
Lass doch auch dein Herz umkrempeln von den Bildern der Hoffnung, der Schönheit, von Frieden und Gerechtigkeit und Freude. Von allem, was geschieht, wenn er kommt.
Er kommt nämlich.
Lass den Winter und den Regen verschwinden, übermalt von der Buntheit der Erwartung und von Gottes Verheißungen.
Er kommt nämlich.
Lass uns gemeinsam davon singen, damit die Freude sich breit macht. Vom Frühling singen, mitten im Winter: "Der Lenz ist da."
Es ist ein Ros entsprungen, aus einer Wurzel zart. Wie uns die Alten sungen, von Jesse kam die Art und hat ein Blümlein bracht mitten im kalten Winter, wohl zu der halben Nacht.
Lass uns gemeinsam davon singen und beten und jublieren, wie es andere vor uns taten, die Mut fassten, noch mitten in der Nacht:
Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes.
Lass uns singen, als wäre es schon heller Tag, damit die Dunkelheit in uns verschwindet und die Hoffnung Raum gewinnt:
Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern. Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch unsre Nacht und Pein.
Lasst uns singen, als wäre er schon da. Er kommt nämlich. Ganz sicher! Er kommt.
Weil nichts ihn von seinen Menschen fernhalten kann.
Er kommt und hüpft über die Berge und springt über die Hügel.
Tochter Zion, freue dich. Jauchze laut, Jerusalem und Albstadt-Tailfingen, sogar in der Augustenhilfe: Sieh dein König kommt zu dir. Ja, er kommt, der Friedefürst.
Er kommt.
Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk. Gründe nun dein ewig Reich.
Er kommt.
Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild. Ewig steht dein Friedensthron.
Er kommt.
Er kommt und hüpft über die Berge und springt über die Hügel.
Freut euch.
Frühling mitten im Winter.
Er kommt nämlich. Ganz gewiss. Er kommt.
Amen.
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