Predigt
Hoffnung
Mehr als ein leerer Traum
Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn! Aus dem ersten Petrusbrief, aus dem dritten Kapitel: 8 Endlich aber seid allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, d…

Gottesdienste und Anlässe
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06.07.2023
· 10:00 Uhr
· Augustenhilfe
Gottesdienst
Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Aus dem ersten Petrusbrief, aus dem dritten Kapitel:
8 Endlich aber seid allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig. 9 Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, auf dass ihr Segen erbt. 10 Denn »wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hüte seine Zunge, dass sie nichts Böses rede, und seine Lippen, dass sie nicht betrügen. 11 Er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach. 12 Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren hören auf ihr Gebet; das Angesicht des Herrn aber sieht auf die, die Böses tun« (Psalm 34,13-17). 13 Und wer ist's, der euch schaden könnte, wenn ihr dem Guten nacheifert? 14 Und wenn ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig. Fürchtet euch nicht vor ihrem Drohen und erschreckt nicht; 15 heiligt aber den Herrn Christus in euren Herzen. Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, 16 und das mit Sanftmut und Ehrfurcht, und habt ein gutes Gewissen, damit die, die euch verleumden, zuschanden werden, wenn sie euren guten Wandel in Christus schmähen. 17 Denn es ist besser, wenn es Gottes Wille ist, dass ihr um guter Taten willen leidet als um böser Taten willen. (1. Petr 3,8-17)
Geliebte Gottes in der Augustenhilfe,
Eineinhalb Jahre müsste es regnen, damit der Grundwasserspiegel in Deutschland wieder auf das normale Niveau ansteigt. Eineinhalb Jahre Regen! Diese Feststellung von Experten war heute morgen in der Zeitung zu lesen, gemeinsam mit ganz vielen anderen schlechten Nachrichten. In der Ukraine geht der Krieg weiter. In Saporischschja macht man sich Sorgen um den Zustand des Kernkraftwerks. In Thüringen kommt die rechtextreme AfD in Umfragen auf 34%. In Norddeutschland hat ein Sturmtief schwere Schäden angerichtet. Der Bund muss 243 Millionen Euro Schadensersatz für die gescheiterte PKW-Maut zahlen, während an allen Ecken und Enden sowieso das Geld fehlt. Die Aktienkurse sinken. Es werden immer weniger Wohnungen gebaut. Waldbrände sind ein zunehmendes Problem und im Albstädter Stadtwald kommen die Fichten nicht mehr mit dem Klima zurecht.
Schlechte Nachrichten an allen Enden. Schlechte Nachrichten ohne Ende. Kein Wunder, dass manche verzweifeln. Menschen fühlen sich überfordert mit der Fülle der Fragen. Das Vertrauen in traditionelle Institutionen -- auch in die Kirche oder in die Demokratie -- geht manchen verloren. Menschen wenden sich ab, suchen einfache Lösungen auch in den Extremen. Noch mehr schlechte Nachrichten.
Wenn es doch nur irgendwo Hoffnung gäbe!
"Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist.", schreibt Petrus an die Christ:innen in Kleinasien.
Die Hoffnung, die in euch ist: Es gibt also doch Hoffnung. Man muss sie nur an der richtigen Stelle suchen. Wir haben Hoffnung.
Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist.
Erzählt von der Hoffnung, die in euch ist!
Lasst mich also von meiner Hoffnung erzählen:
Ich hoffe auf eine veränderte Welt. Ich hoffe auf eine Welt, in der jeder Mensch eine Chance auf ein Leben in Würde und Frieden hat. Ich hoffe auf Versöhnung. Ich hoffe auf ein Zusammenrücken. Ich hoffe auf Brücken statt Grenzzäune. Ich hoffe auf fröhliche Runden, auf Tischgemeinschaften an großen, gut gefüllten Tafeln, an denen jeder sitzen kann und erzählen kann von dem, was Leben für ihn ausmacht. Ich hoffe auf eine gute Zukunft für meine Kinder und Enkel:innen und Urenkel:innen und auf eine motivierte Gemeinschaft heute, die gute Grundlagen für diese Zukunft legt. Ich hoffe auf eine Welt, die nicht auf Ausbeutung und Profitmaximierung ausgerichtet ist. Auf eine Welt, in der jedes Kind sich angenommen und geliebt fühlt. Auf eine Welt, in der niemand im Alter vergessen wird. Auf eine Welt, die sich um Kranke kümmert, Einsamen Gesellschaft leistet und Leiden lindert. Ich hoffe auf eine Welt, in der es egal ist, woher man kommt, welche Hautfarbe man hat oder welche Sprache man spricht, welchem Geschlecht man sich zuordnet oder welche Menschen man liebt. Ich hoffe auf eine Welt, die den Einzelnen sieht und in jedem Einzelnen einen unmessbar großen Wert, die, koste es, was es wolle, für jeden Einzelnen Platz schafft und Raum zur Entfaltung. Ich hoffe auf eine Welt, in der es keine Klassen gibt und kein "wir" gegen "die". Ich hoffe auf eine Welt, in der alle Menschen Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und Wohlstand haben. Ich hoffe auf eine Welt, die so für alle offen ist, dass niemand als "behindert" zählt. Ich hoffe auf eine Welt, in der wir Gottes ganze Schöpfung wertschätzen, schützen und pflegen. Ich hoffe auf eine Welt, in der Hoffnung kein Fremdwort ist, kein Zustand, den man mit der Lupe suchen muss, zwischen all den schlechten Nachrichten. Ich hoffe... Ich hoffe.
Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist.
Man mag mich einen Träumer nennen. Einen Idealisten. Einen hoffnungslosen Optimisten (was irgendwie ironisch wäre, wenn man drüber nachdenkt, von wie viel Hoffnung ich gerade erzählt habe). Man mag meine Hoffnung für Fantasien halten, für Luftschlösser, Seifenblasen, die an der Realität zerplatzen. Man mag Etiketten auf meine Hoffnung kleben und sie in Schubladen stecken, um sie abzutun: "Sozialist" vielleicht, oder "Gutmensch" oder "linksgrün versifft". Man mag das alles tun, aber das ändert nichts daran: Ich habe Hoffnung!
Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist.
Rechenschaft geben von der Hoffnung. Verantwortung. Es ist unverantwortlich, falsche Hoffnungen zu wecken. Es ist unverantwortlich, Menschen auf aussichtslose Wege zu schicken, zu fruchtlosen Unterfangen und zu verschweigen, dass das Ziel sowieso nie erreicht werden kann. Seichte Träume als die Realität auszugeben, ist unverantwortlich.
Lasst mich also Rechenschaft ablegen von meiner Hoffnung. Meine Hoffnung ist nämlich kein leerer Traum. Meine Hoffnung ist kein Märchen von "sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage." Meine Hoffnung hat einen Grund. Meine Hoffnung hat einen Anlass. Meine Hoffnung hat eine Berechtigung.
Ich hoffe auf Gott. Ich hoffe auf den Autor des Lebens, auf den Autor dieser Welt. Ich hoffe auf den, der über all dem steht, was wir als Realität wahrnehmen. Auf den, der über allen schlechten und allen guten Nachrichten steht. Ich hoffe auf den, der uns geschaffen hat und uns liebt. Ich hoffe auf den, der uns eine gute Zukunft versprochen hat. Ich hoffe auf den, der uns von Anfang unseres Lebens Beistand, Begleitung und Segen zugesagt hat.
Ich hoffe auf Gott. Das ist keine leere Hoffnung. Gott ist keine Projektionsfläche, in die ich meine vagen Träume einzeichne, damit ich hoffen kann. Dass Gott realer Grund zur Hoffnung ist, das hat er unter Beweis gestellt. Dieser Beweis hat einen Namen. Er heißt: Jesus Christus. In ihm hat Gott sich selbst hineinbewegt in eine hoffnungslose Welt. In dem, der als kleines Kind kam, ist das Licht der Hoffnung erwacht. Er wurde einer von uns. Er war da, wo wir sind. Er hat das gelebt, was wir erleben. Er hat Veränderung hineingebracht, gezeigt dass es anders geht -- gerade für die, die damals schon ohne Hoffnung waren. Er hat die gesehen, die andere übersahen. Er hat die geheilt, für die es keine Aussicht auf Besserung gab. Er hat die geliebt, die von den anderen verstoßen waren. Er hat Gottes Segen, Gottes Liebe, Gottes Menschenfreundlichkeit sichtbar in die Welt gebracht -- gegen alles, was mächtig und bestimmend war. In seinen eigenen Worten hat er ein neues Reich begonnen auf dieser Erde: Ein Reich, in dem nicht Macht und Gewalt, Profit und Ausbeutung bestimmend sind, sondern Gerechtigkeit und Friede und Gottes heiliger Geist. Er hat selbst über die unerbittlichste Macht dieser Welt triumphiert: Den Tod, der sich noch jeden unterworfen hatte, hat er überwunden. Selbst der ist jetzt kein Ende der Hoffnung mehr. Weil Christus auferstanden ist, kann ich begründet auch über das Sterben hinaus hoffen.
Ich hoffe auf Gott. Der Grund meiner Hoffnung ist einer, den keiner der Zwänge dieser Welt zu Fall bringt. Der Grund meiner Hoffnung ist der, den Petrus schon am Anfang seines Briefs an die Christ:innen in Kleinasien nachgezeichnet hat:
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, 4 zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, 5 die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereitet ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit. (1. Petrus 1,3-5)
Rechenschaft von der Hoffnung. Gott ist mir Grund, auch heute zu hoffen.
Dabei sind das alte Worte. Zwei Jahrtausende sind seither vergangen. Jahrhunderte mit endlosem Schrecken, mit Krieg und Seuchen, Naturkatastrophen und menschengemachtem Hass und Leid. Viele der uralten Probleme gehen unverändert weiter oder scheinen sogar stärker den je. Gleichzeitig stehen wir vor ganz neuen Herausforderungen, von denen ein Petrus noch nicht einmal träumen konnte. Ist es denn nicht an der Zeit, zur Einsicht zu kommen und die Hoffnung aufzugeben?
Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist.
Nein! Der Grund zur Hoffnung ist unverändert derselbe, weil Jesus Christus derselbe ist -- gestern, heute und in Ewigkeit. Und all denen, die das für längst überholt halten und Jesus nur für einen historische Figur, denen sei gesagt, dass die Hoffnung auf ihn hell wach und lebendig ist, weil Christus hell wach und lebendig ist. Wer bereit ist, hinzuschauen, der sieht die Zeichen für das Grünen der Hoffnungspflänzchen nicht nur in der Vergangenheit, als Jesus die Straßen Israels beging, sondern hier und heute, da wo der Christus unterwegs sind: Bei den Menschen, die ihr Vertrauen auf ihn setzen. Da könnten du und ich dazugehören.
Und so sieht das Grünen der Hoffnung aus:
[Seid] allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig. Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, auf dass ihr Segen erbt. [... Wendet euch] ab vom Bösen und tu[t] Gutes; [...] such[t] Frieden und jag[t] ihm nach.
Und: Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist.
In Tailfingen ist in den vergangenen Wochen eine ganz große Hoffnungspflanze erblüht. Droben auf dem Lerchenfeld, auf der Langenwand, stand 15 Tage lang ein Zelt. Die Idee dazu wurde in der Coronazeit geboren -- damals, als alles zu war und wir uns nur von Weitem sehen durften. Als wir voneinander getrennt und abgeriegelt waren. Als alles Fröhliche abgesagt wurde. Damals haben wir uns vorgenommen, ein Zeichen zu setzen: ein Hoffnungsfest zu feiern. In den letzten Wochen war es dann so weit. Christ:innen aus Onstmettingen, Pfeffingen, Tailfingen und Truchtelfingen haben jeden Tag mehrfach in das große Zelt eingeladen: zu Konzerten, zu Kreativem, zu Sport und Spiel, zum gemeinsamen Essen, zum Nachdenken über Lebensthemen. Und das Zelt war immer wieder voll, immer wieder mit neuen Menschen, die vor allem eins gefunden haben: die Freude daran, gemeinsam etwas zu machen. Hoffnung verbindet. Das Leben blüht auf, wo wir unsere Hoffnung leben.
Ich bin mir sicher, die Hoffnungspflanze aus dem Zelt wird noch lange weiterblühen und Spuren im Leben der Menschen von Albstadt hinterlassen.
Das kann deine Hoffnung auch! Hoffst du noch? Erzählst du von deiner Hoffnung?
Schau auf Gott. Schau auf Christus. Lass die Hoffnung wachsen, die die Welt verändert. Stück für Stück. Auch hier in der Augustenhilfe.
Das fängt mit uns an:
Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist.
Amen.
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