Predigt

Ich liebe es.

Wir suchen nach etwas, das unseren Lebenshunger stillt – Jesus antwortet darauf nicht mit einem Etwas, sondern mit sich selbst.

Ein köstlich aussehender Burger mit Zwiebel, Tomate, Gurke, Käse und Salat auf einem Holzbrett vor unscharf erkennbaren Pommes Frites udn einem schwarzem Hintergrund

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Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!

Und... der perfekte Burger.

Schon das Brötchen. Weich muss es sein. Aber nicht so weich, dass es beim ersten Bissen auseinanderfällt. Ein bisschen angeröstet. Warm. Und außen gerade so knusprig, dass man es hört, wenn man hineinbeißt.

Dann das Fleisch (oder das "Plant based"-was-auch-immer für Vegetarier wie mich). Saftig. Heiß. Kräftig angebraten. Mit diesem wunderbaren Geschmack vom Grill.

Darauf der Käse. Nicht einfach nur draufgelegt. Er muss geschmolzen sein. So richtig. Er muss sich um das Fleisch legen.

Dann frische Tomaten. Knackiger Salat. Ein paar Zwiebeln. Vielleicht Gurken. Und natürlich die Sauce. Nicht zu wenig. Aber auch nicht so viel, dass sie einem beim ersten Bissen über die Finger läuft.

Alles zusammen. Warm und kalt. Weich und knackig. Saftig und knusprig.

Man nimmt ihn in beide Hände. Drückt ihn ein kleines bisschen zusammen. Macht den Mund ziemlich weit auf.

Und dann dieser erste Bissen. Das Brötchen. Das Fleisch. Der Käse. Der Salat. Die Tomate. Die Sauce. Alles auf einmal.

So muss ein Burger sein.

Ich liebe es!

Burger auspacken und einmal kräftig hineinbeißen. Mampfend...

Sind wir doch mal ehrlich: Es ist einfach, Fast Food schnell zu verurteilen. Aber es schmeckt halt einfach trotzdem. Viele von uns verirren sich schon ab und zu mal zu McDonald's und Co.

Beißen.

Lecker! Wollt ihr ein Stück?

Nein? Ihr lasst lieber Platz für das Mittagessen?

Kein Problem, sage ich euch! So ein kleiner Burger ist bis dahin sowieso längst verdaut. Oder so ...

Jedenfalls werde ich schon bald wieder Hunger haben.

Darin liegt ja eigentlich das Problem: Natürlich macht so ein Burger satt. Aber eben nicht lange.

Irgendwann brauche ich wieder etwas. Und dann wieder. Und dann wieder.

Warum gehe ich dann überhaupt zu McDonald’s und Co.?

Die Lebensmittelindustrie hilft da natürlich ein bisschen nach.

Zucker. Fett. Salz.

Am besten nicht einzeln. Sondern schön miteinander kombiniert.

Das ist tatsächlich ziemlich gut erforscht. Es gibt Lebensmittel, die sind so zusammengesetzt, dass wir ziemlich schwer Nein sagen können. Fett und Zucker. Fett und Salz.

Dazu die richtige Konsistenz. Der richtige Geruch. Der richtige Geschmack.

So, dass ich ziemlich schnell denke: Mehr davon!

Aber McDonald’s verkauft mir ja noch viel mehr als Zucker, Fett und Salz.

McDonald’s verkauft mir ein Gefühl. Das sagen die inzwischen sogar selbst.

Zu ihrem alten Slogan „Ich liebe es.“ erzählen sie dieses Jahr in der Werbung Geschichten. Vom ersten Happy Meal. Vom McDonald’s-Besuch im Familienurlaub. Vom Zwischenstopp auf einer langen Autofahrt. Von gemeinsamen Momenten. Von Erinnerungen aus der Kindheit.

Das ist ziemlich schlau.

Denn plötzlich kaufe ich nicht mehr einfach einen Burger.

Ich kaufe mir einen schönen Moment. Eine Erinnerung. Eine kleine Belohnung. Ein gutes Gefühl.

Ich kaufe mir etwas, von dem ich hoffe: Das tut mir jetzt gut.

Und darin sind sie wirklich ziemlich gut: Mir zu versprechen: Genau das brauchst du jetzt.

Im alten Israel wäre der Super-Burger vielleicht das Manna.

Zumindest ist es das, was in den großen Geschichten Israels immer wieder auftaucht.

Die Erinnerung an die große Vergangenheit.

Befreiung aus Ägypten. Durchzug durchs Rote Meer. Einzug ins gelobte Land.

Und dazwischen: die Wüste.

Sand. Steine. Schweiß.

Und nichts davon kann man essen.

Bis Gott eingreift.

Brot vom Himmel!

Wo hat es das schon mal gegeben?

Morgens liegt es einfach da. Mitten in der Wüste.

Manna.

Essen, wo es eigentlich nichts zu essen gibt.

Gott sorgt für sein Volk. Jeden Tag neu.

Kein Wunder, dass diese Geschichte hängen bleibt. Kein Wunder, dass sie weitererzählt wird.

Brot vom Himmel!

Jahrhunderte später ist das auch nur noch Erinnerung. Stoff für Sagen, Legenden und Abende am Lagerfeuer.

Keiner der Menschen, die Jesus begegnen, hat Manna je gesehen – geschweige denn geschmeckt.

Aber die Erinnerung daran, dass Gott so seine Zuwendung zeigte, ist noch überall da.

Wenn man das doch nur auch einmal erleben könnte.

Aus dem Evangelium nach Johannes, aus dem 6. Kapitel:

Die Menschen sagen zu Jesus: Was für ein Zeichen tust du? Wir wollen ein Zeichen sehen. Dann glauben wir dir. Was tust du?

Unsere Vorfahren haben in der Wüste Manna gegessen. In der Bibel steht: Gott gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.

Jesus sagt zu ihnen: Das ist sicher. Ich sage euch: Mose hat euch nicht das Brot vom Himmel gegeben. Mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel.

Das Brot von Gott ist der, der vom Himmel kommt. Er gibt der Welt Leben.

Da sagen die Menschen zu Jesus: Herr, gib uns immer dieses Brot.

Jesus antwortete: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, hat nie mehr Hunger. Wer an mich glaubt, hat nie mehr Durst.

(Johannes 6,30–35; von mir in Leichte Sprache übertragen)

Ich liebe es:

Brot vom Himmel gibt es tatsächlich, sagt Jesus.

Und irgendwie ist man geneigt, ihm das zu glauben.

Schließlich hat er gerade 5.000 Menschen satt gemacht. Mit fünf Gerstenbroten und zwei Fischen.

Brot vom Himmel gibt es tatsächlich.

„Gib uns davon“, sagen die Menschen.

Natürlich. Wer würde das nicht wollen?

Brot, das satt macht. Brot direkt von Gott.

„Herr, gib uns immer dieses Brot.“

Sie erinnern sich: So war Gott schon einmal. Er hat sein Volk versorgt.

Brot vom Himmel?

Was macht denn wirklich satt?

Körperlich kann man das ziemlich genau beantworten.

Unser Körper braucht Energie. Kohlenhydrate. Fette. Eiweiß.

Er braucht Vitamine und Mineralstoffe. Er braucht Wasser.

Und wenn es ums Sattwerden geht, spielen auch Ballaststoffe eine Rolle. Sie bleiben länger im Verdauungstrakt. Sie sorgen mit dafür, dass mein Körper sagt: Jetzt reicht es erst einmal.

Eigentlich wissen wir ziemlich gut, was unser Körper braucht.

Und wir wissen noch etwas: Irgendwann braucht er es wieder.

So sind wir gemacht.

Wir essen. Wir werden satt. Wir verbrauchen Energie. Und irgendwann meldet sich der Hunger wieder.

Kein Burger der Welt kann daran etwas ändern. Auch kein Manna.

Aber vielleicht reden wir längst nicht mehr nur vom Hunger im Bauch.

Was brauche ich denn, damit ich sagen kann: Jetzt ist es gut. Jetzt reicht es. Jetzt bin ich satt – mit meinem Leben.

Was müsste dafür passieren?

Mehr Geld?

Ein bisschen mehr jedenfalls. So viel, dass ich nicht mehr ständig rechnen muss.

Gesundheit? Natürlich wünsche ich mir das. Oder wenigstens Tage, an denen mein Körper mich nicht ständig an seine Grenzen erinnert. Und einen nächsten Arzttermin, vor dem ich keine Angst haben muss.

Menschen, die mich lieben.

Einen Menschen vielleicht, bei dem ich nicht dauernd beweisen muss, dass ich liebenswert bin.

Meine Kinder. Und dass es ihnen gutgeht.

Freunde, auf die ich mich verlassen kann.

Eine Aufgabe, bei der ich merke: Es ist nicht völlig egal, dass ich da bin.

Was davon brauche ich? Was davon macht satt?

Und vor allem: Wie viel davon?

Wann wäre genug wirklich genug?

Jetzt habe ich alles. Jetzt brauche ich nichts mehr. Jetzt bin ich satt.

„Herr, gib uns immer dieses Brot.“

Ich verstehe diesen Satz ziemlich gut.

Was macht denn wirklich satt?

Aber Jesus antwortet merkwürdig. Gar nicht auf das, was wir gerade gefragt haben. Habt ihr das gemerkt?

Das Brot von Gott ist der, der vom Himmel kommt.

Der, der vom Himmel kommt.

Die Frage lautet also:

Wer macht denn wirklich satt?

Wir suchen die ganze Zeit nach einem Es.

Das richtige Essen. Genug Geld. Gesundheit. Sicherheit. Anerkennung. Einen erfüllten Wunsch.

Etwas, von dem ich endlich sagen kann:

Ich liebe es.

Jesus sagt:

Ihr sucht nach einem Was. Aber Gott gibt euch kein Was.

Gott gibt euch mich.

„Ich bin das Brot des Lebens.“

Gott gibt euch mich.

Sagt der, der am Kreuz sein Leben gibt.

Für das Leben der Welt.

Denn dieser Jesus, den Gott gibt, gibt sich selbst.

Ich gebe euch mich.

Sagt der, der aufersteht.

Der Tod hat nicht das letzte Wort.

Mit ihm beginnt Gottes neue Welt.

Leben. Gottes Leben. Auch für mich!

Und nicht nur für mich. Er gibt der Welt Leben!

Und was heißt das jetzt?

Wenn Jesus sagt:

Ich gebe euch mich.

Dann verspricht er mir nicht: Von jetzt an fehlt dir nichts mehr.

Mein Leben wird nicht plötzlich einfach.

Ich werde wieder Hunger haben. Ich werde Angst haben. Ich werde Menschen verlieren. Ich werde krank werden. Ich werde Wünsche haben, die sich nicht erfüllen.

Jesus verspricht mir kein Leben, in dem alles stimmt.

Er verspricht mir sich.

Ich muss nicht mehr von all den Dingen erwarten, dass sie mein Leben endlich ganz machen.

Und manchmal fehlt mir ja tatsächlich etwas. Mein Glaube macht diese Sehnsucht nicht einfach kleiner.

Ich darf zu ihm kommen.

Mit meinem Hunger. Mit meiner Sehnsucht. Mit dem, was gelungen ist. Und mit dem, was fehlt.

Vielleicht kannst du noch gar nicht sagen: Ich glaube das.

Vielleicht kannst du noch nicht sagen: Ich liebe ihn.

Dann komm trotzdem.

Mit deinem Hunger. Mit deinen Fragen. Mit deinem Zweifel.

Und dann?

Vielleicht beginnt genau da schon etwas. Eine Beziehung.

Und Beziehungen verändern einen.

Jesus kann man nicht konsumieren wie einen Burger.

Man kann ihn nicht nehmen, damit man sich hinterher ein bisschen besser fühlt, und dann einfach weitermachen wie vorher.

Vielleicht ist das das Schwarzbrot an diesem „Brot des Lebens“.

Denn Jesus geht einen Weg.

Und wer mit ihm lebt, gerät mit auf diesen Weg.

Zu Menschen, die ich vielleicht lieber übersehen würde.

Während ich frage, was mich endlich satt macht, haben andere tatsächlich nicht genug.

Das Brot des Lebens kann mich nicht gleichgültig lassen, wenn anderen das tägliche Brot fehlt.

Zum Teilen, wenn ich lieber festhalten möchte.

Zur Vergebung, wenn ich mein Recht behalten möchte.

Zur Liebe, wo Abstand viel einfacher wäre.

Zur Hoffnung, wo ich längst gesagt habe: Das bringt doch alles nichts mehr.

Das ist nicht immer leicht.

Das war es damals schon nicht.

Ein paar Verse nach unserem Predigttext sagen die Menschen:

„Das ist eine harte Rede.“

Und noch ein bisschen später erzählt Johannes:

Viele gehen weg.

Sie gehen nicht mehr mit Jesus.

Brot des Lebens.

Das klingt erst einmal nach etwas, das alle haben wollen.

Aber Jesus gibt mir nicht einfach etwas.

Er gibt mir sich.

Und mit ihm: ein anderes Leben.

Nicht immer ein leichteres.

Aber eines, in dem ich nicht allein bin.

Eines, in dem mein Hunger nicht mehr darüber entscheidet, wer ich bin.

Denn ich bin für Gott längst mehr als das, was mir fehlt. Ich bin einer, dem Christus sich gibt.

Eines, in dem ich nicht alles haben muss, damit mein Leben ganz sein kann.

Denn am Ende ist da nicht etwas, das meinen Hunger stillt.

Da ist einer, der sich mir gibt.

Und vielleicht ist genau das Liebe:

Dass einer sich mir gibt. Noch bevor ich darauf antworten kann.

Vielleicht verändert das am Ende sogar diesen einen kleinen Satz.

Ich liebe es.

Nein.

Ich liebe ihn.

Nicht den Super-Burger für die Seele.

Sondern den, der sich mir gibt.

Mit dem ich leben kann. Mit dem ich hoffen kann. Mit dem ich meinen Weg gehen kann.

Jesus. Den Christus. Meinen Herrn.

Ich liebe ihn.

Ihm will ich folgen. Auch wenn mich das kostet.

Weil er sich mir gibt.

Das Brot des Lebens.

Jesus.

Und der Burger?

Nehmen. Achselzuckend weglegen.

Der ist inzwischen wahrscheinlich kalt.

Macht nichts.

Er hat ja auch nie versprochen, das Brot des Lebens zu sein.

Und wenn ich ehrlich bin:

Ich esse sowieso lieber Linsen mit Spätzle.

Amen.

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