Predigt

Von Gott gekrönt

[Christoph] Liebe Festgemeinde, liebe Konfis, da hängt sie nun: die Krone, die ihr als Thema über diesen Tag gesetzt hat. Die Krone, die ihr miteinander gestaltet habt. Sie glänzt golden hoch über uns, ist verziert mit g…

Gottesdienste und Anlässe

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  • 03.05.2026 · 9:00 Uhr · Kirche Tailfingen
    Konfirmationsgottesdienst Ia

[Christoph]

Liebe Festgemeinde, liebe Konfis,

da hängt sie nun: die Krone, die ihr als Thema über diesen Tag gesetzt hat. Die Krone, die ihr miteinander gestaltet habt. Sie glänzt golden hoch über uns, ist verziert mit glitzernden Steinen, mit strahlenden Bildern und nicht zuletzt mit euren Namen.

Diese Krone können wir zunächst als Zeichen für diesen Tag sehen. Dieser Tag krönt das vergangene Jahr, das wir miteinander verbracht haben. Heute ist es geschafft. Ihr seid nach diesem Gottesdienst keine Konfis mehr, sondern konfirmiert.

Heute werdet ihr beschenkt. Ihr steht im Mittelpunkt. Manche tragen das erste Mal in ihrem Leben einen richtigen Anzug oder das bisher schönste Kleid ihres Lebens. Heute ist euer großer Tag.

Wir freuen uns mit euch, weil wir heute feiern: Wir alle sind Königskinder, Gottes Kinder. Als Getaufte tragen wir seinen Namen. Im Namen dieses Königs, im Auftrag seiner Majestät sollen wir diese Welt bebauen – und dabei vor Zerstörung bewahren. Wir sollen Schwache beschützen und Frieden stiften - wie gute Königinnen und Könige.

[Lisa Joy]

Ein Blick in die Nachrichten genügt, um zu wissen: Davon bräuchten wir mehr. Echte Königskinder, die keinen Streit anfangen, sondern helfen, ihn auf gute Weise zu beenden. Die nicht schamlos lügen, um ihre Fehler zu verheimlichen. Sondern die zur Wahrheit stehen, auch wenn das heißt, eigene Fehler zuzugeben.

Zu nicht weniger sind wir als Christinnen und Christen berufen. Und vielleicht hören wir uns das an und denken: Wow, das ist ganz schön steil.

Die Zacke einer Krone sieht ein bisschen aus wie eine Bergspitze. Und genau das zeigt so eine Krone auch: Wer die trägt, der ist spitze. Heute hängt sie hoch über uns und vielleicht sagen ja manche:

„So hoch will ich gar nicht hinaus. Die Welt bebauen und bewahren? Ich bin froh, wenn ich die Vier in Mathe schaffe.“

Die Krone, die so hoch hängt, die steilen Zacken – da könnten man auch denken: „Das ist mir zu abgehoben, zu steil, zu träumerisch. Ich brauche kein Märchenschloss und auch nicht den Märchenprinz oder die Prinzessin. Mir reicht es, wenn ich gute Freundinnen und Freunde habe, die zu mir halten. Einen Beruf, der mir Spaß macht und mit dem ich genug verdiene. Vielleicht lerne ich einen Lieblingsmenschen kennen, mit dem ich das Leben teile. Ein Zuhause, vielleicht mit Kindern, vielleicht mit Garten, vielleicht sogar mit Pool. Und ab und zu eine Reise in ein neues Land.

[Rainer]

Das wäre wohl für viele die Krönung: ein einfaches, glückliches Leben, nicht zu abgehoben, nicht zu steil. Und wir wünschen euch, dass vieles davon in Erfüllung gehen darf.

Und doch möchten wir euch gerade heute erinnern: Träumt eure Träume nicht zu klein. Hängt eure Krone nicht zu tief. Alle, die ihr heute irgendwo an der Spitze seht, alle Menschen, deren Namen wir heute mit Ehrfurcht und Bewunderung nennen, waren auch mal in eurem Alter. Und bei den wenigsten hatte sich damals abgezeichnet, welchen Weg Gott sie einmal führen würde.

Manche von euch Jungs haben gesagt, den Pokal der Champions League zu gewinnen, das wäre für euch die Königsklasse. Dabei gilt: Die Champions League gibt es ja nicht nur im Sport. Das kann genauso die Forscherin sein, die den Nobelpreis gewinnt. Und klar: Das fällt einem nicht einfach zu. Das braucht Disziplin, Fleiß und Ausdauer – Dinge, die noch wachsen dürfen.

Aber wer kann heute wissen, wohin Gott euch einmal führen wird? Und vielleicht fügt es sich ja, dass ihr in eurem Bereich einmal ganz oben auf dem Podest steht. Gekrönt für Jahre, in denen ihr euer Ziel nicht aus dem Blick verloren habt, drangeblieben seid. Wir versprechen euch: Wenn so ein Tag kommt, wird sich nicht nur eure Familie mit euch freuen, sondern wir genauso. So ein Tag – das ist wie ein funkelnder Diamant in einer Krone.

[Christoph]

Auf euren Kronen gibt es aber nicht nur die glitzernden Steine. Viele von euch haben auch ein Kreuz darauf gemalt, manche in schwarz. Wer Jesus für uns ist, was sein Sterben und seine Auferstehung für uns bedeutet, das war immer wieder Thema in diesem Jahr. Wir nennen ihn Christus, das heißt übersetzt: der Gesalbte. Der zum König Gesalbte. Wenn die Krone dort oben sein Kreuz trägt, stellt sich die Frage: Darf er auch mein König sein? Will ich im Namen seiner Majestät unterwegs sein? Bin ich bereit, in seinem Namen selbst meine Feinde zu lieben?

Bei diesem König sind nicht nur die spitze, die oben auf dem Siegertreppchen stehen und die Nobelpreise erringen. Sondern alle, die nicht nur für sich selbst leben. Alle, die sich für ihre Nächsten einsetzen. Sei es als Erzieher im Kindergarten oder als Lehrerin in der Schule, auf dem Feld oder in der Küche, an der Werkbank oder am Schreibtisch. Es gibt keinen Ort, an dem er uns nicht gebrauchen kann. Es gibt keinen Platz, der zu hoch oder zu niedrig wäre, um für andere da zu sein.

Wo wir ihm folgen, da werden wir erfahren: Es sind gerade nicht nur unsere Erfolge, die uns prägen. Oft sind es besonders die schwierigen Zeiten, wenn wir uns alleine und verlassen fühlen. Wenn wir kämpfen – mit Krankheit und Misserfolgen.

Das Kreuz erinnert euch daran: Er lässt euch nicht allein. Jesus kennt die Tiefpunkte unseres Lebens. Genau deshalb ist er gekommen, damit wir die Hoffnung nicht verlieren. Jesus, der selbst eine Dornenkrone getragen hat, will uns mit einer anderen Krone krönen.

[Lisa Joy]

Und so dürfen wir euch heute einen Bibeltext zusprechen, den wir gestern beim Abendmahl schon miteinander gebetet haben.

In Psalm 103 heißt es in den ersten vier Versen:

„Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen.

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen.

Der dein Leben vom Verderben erlöst,

der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit.“

Dieser Psalm wird König David zugeschrieben, der selbst eine Krone aus Gold trug und als der größte König Israels gilt. Der den Riesen Goliath bezwungen hat und unzählige Feinde.

Und der gleichzeitig auch immer wieder schuldig geworden ist, weil er seinen eigenen Ansprüchen und den Geboten Gottes nicht gerecht wurde.

[Rainer]

Dieser Psalm sagt: Die kostbarste Krone ist nicht aus Gold. Sondern die wertvollste Krone besteht darin, dass Gott für uns da ist, als gnädiger und barmherziger Gott. Gnade heißt: Gott kommt uns nahe. Aber eben nicht von oben herab, nicht herablassend, sondern auf Augenhöhe. Er ist barmherzig, das heißt: Sein Herz weiß, was unser Herz braucht. Seine Nähe heilt alle Wunden. Seine Liebe schenkt einen neuen Anfang, immer und immer wieder.

Das ist die unsichtbare Krone, die ihr jeden Tag aufs Neue voller Freude tragen dürft. Mit seiner Nähe und seiner Liebe wollen wir euch heute ganz bewusst krönen, wenn wir euch nachher den Segen zusprechen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.

Amen.

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