Predigt
Du bist nicht allein.
Ein Taufdialog über Gottes Nähe
Manchmal fühlt sich das Leben an wie eine lange Zwischenzeit. Man wartet. Auf Antworten. Auf Frieden. Auf jemanden, der bleibt. Im Taufgottesdienst mit Ole hören wir eine alte Zusage Gottes: „Ich habe dich mit Namen gerufen. Du gehörst zu mir.“ Vielleicht ist das genau das, was Menschen brauchen — vom ersten Tag an.

Gottesdienste und Anlässe
-
17.05.2026
· 10:30 Uhr
· Stephanskirche
Gottesdienst mit Taufen
Audio
[CF] Ole, weißt du eigentlich, warum heute getauft wird?
[Ole] Klar. Weil Babys dreckig sind.
[CF] Ole!
[Ole] Was denn? Wasser hilft doch!
[CF] Also… ja… manchmal schon. Aber bei der Taufe geht’s um was anderes.
[Ole] Ach so. Spezialwasser?
[CF] Nein. Ganz normales Wasser.
[Ole] Das ist aber enttäuschend. Ich dachte jetzt wenigstens Glitzerwasser.
[CF] Nein, Ole. Kein Glitzerwasser.
[Ole] Schade. Jesus hätte Glitzer bestimmt gut gefunden.
[CF] Da bin ich nicht sicher.
[Ole] Aber warum macht man das dann mit Wasser?
[CF] Weil Wasser wichtig ist. Ohne Wasser kann niemand leben.
[Ole] Stimmt. Ohne Wasser keine Spaghetti.
[CF] Das stimmt tatsächlich.
[Ole] Siehst du.
[CF] Und bei der Taufe sagt Gott: Ich schenke dir Leben. Und ich gehe mit dir durchs Leben.
[Ole] Hm. Aber Mila und Elin merken sich das doch gar nicht.
[CF] Wahrscheinlich nicht.
[Ole] Ich merk mir ja nicht mal Mathe von letzter Woche.
[CF] Das überrascht mich jetzt nicht.
[Ole] Gemein.
[CF] Aber die Taufe bleibt trotzdem wichtig.
[Ole] Warum?
[CF] Weil Gott etwas verspricht.
[Ole] Was denn?
[CF] „Ich bin bei dir.“
[Ole] Immer?
[CF] Immer.
[Ole] Auch in der Schule?
[CF] Auch in der Schule.
[Ole] Auch bei Klassenarbeiten?
[CF] Ja.
[Ole] Das hätten meine Mathearbeiten gern früher gewusst.
[CF] Gott sagt: Ich lasse dich nicht allein.
[Ole] Auch wenn man Angst hat?
[CF] Gerade dann.
[Ole] Auch wenn man traurig ist?
[CF] Ja.
[Ole] Auch wenn andere blöd sind?
[CF] Auch dann.
[Ole] Aber… Jesus ist doch gar nicht mehr da.
[CF] Wie meinst du das?
[Ole] Naja. Ihr habt doch erzählt: Erst war Jesus da. Dann ist er in den Himmel gegangen. Und jetzt?
[CF] Jetzt?
[Ole] Jetzt ist doch irgendwie Zwischenzeit.
[CF] Das Wort hast du dir gemerkt?
[Ole] Klar. Ich bin schließlich gebildet.
[CF] Natürlich.
[Ole] Also: Wenn Jesus im Himmel ist — wer passt dann hier auf?
[CF] Gute Frage.
[Ole] Danke. Hab ich selbst erfunden.
[CF] Weißt du, solche Fragen hatten die Menschen damals auch. Die Freundinnen und Freunde von Jesus konnten ihn nicht mehr sehen.
[Ole] Das ist schwer.
[CF] Ja.
[Ole] Und was hat Gott gemacht?
[CF] Gott hat gesagt: Ich lasse euch nicht allein.
[Ole] Wo denn?
[CF] In der Bibel steht: „Fürchte dich nicht. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“
[Ole] Echt jetzt? Gott kennt meinen Namen?
[CF] Ja.
[Ole] Auch den Nachnamen?
[CF] Auch den.
[Ole] Das ist schon beeindruckend.
[CF] Und Gott kennt auch Mila und Elin.
[Ole] Obwohl die noch gar nicht reden können?
[CF] Ja.
[Ole] Krass.
[CF] Bei der Taufe hören Menschen ihren Namen. Ganz laut. Und dazu Gottes Versprechen: Du gehörst zu mir. Ich gehe mit dir.
[Ole] Also nicht allein?
[CF] Nicht allein.
[Ole] Auch später nicht?
[CF] Auch später nicht.
[Ole] Wenn Mila und Elin groß sind?
[CF] Ja.
[Ole] Wenn sie mal Angst haben?
[CF] Ja.
[Ole] Wenn sie Mist bauen?
[CF] Auch dann.
[Ole] Das ist eigentlich ziemlich schön.
[CF] Ja.
[Ole] Dann ist Taufe ja wie ein großes „Du bist nicht allein“.
[CF] Genau.
[Ole] Das hätte man auch kürzer sagen können.
[CF] Danke, Ole.
[Ole] Gern. Wenn ich dir nicht helfen würde, würdest du ja echt gar nix auf die Reihe kriegen...
Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn.
Ich habe dich geschaffen.
Ich habe dich gemacht.
Hab keine Angst.
Ich lasse dich nicht verloren gehen.
Ich habe dich mit Namen gerufen.
Du gehörst zu mir.
(Jesaja 43,1; von mir in leichte Sprache übertragen)
[CF]
Vorhin hat Ole gefragt:
„Wenn Jesus im Himmel ist —
wer passt dann hier auf?“
[Ole]
Das war eine richtig schlaue Frage, gell?
Kam ja auch von mir.
[CF]
Das ist eigentlich eine große Frage.
Nicht nur für Handpuppen.
Manchmal fühlt sich das Leben wirklich so an:
als wäre man allein.
Man wartet.
Auf Hilfe.
Auf eine Antwort.
Auf jemanden, der da bleibt.
Heute ist Exaudi.
Ein Sonntag der Zwischenzeit.
Jesus ist nicht mehr sichtbar da.
Die Freundinnen und Freunde von Jesus warten.
Und sie fragen sich:
Wie geht es jetzt weiter?
[Ole]
Und?
Wie geht’s weiter?
Willst du behaupten, du weißt das?
[CF]
Mit einer Zusage.
Mit einem Versprechen Gottes.
Genau mit dem, das Mila und Elin gerade als Taufsegen gehört haben.
Ich finde, einer der schönsten Verse der Bibel:
Ich habe dich geschaffen.
Ich habe dich gemacht.
Hab keine Angst.
Ich lasse dich nicht verloren gehen.
Ich habe dich mit Namen gerufen.
Du gehörst zu mir.
(Jesaja 43,1; von mir in leichte Sprache übertragen)
[CF]
Dieser Segen kommt aus einem alten Buch in der Bibel.
Der Prophet Jesaja spricht zu Menschen, die Angst haben.
Ihr Land ist zerstört.
Vieles ist verloren.
Sie wissen nicht:
Wie wird die Zukunft?
Manche fühlen sich vergessen.
Manche denken:
Gott ist weit weg.
Das kennen wir auch.
Manchmal fühlt man sich allein.
In der Schule.
Im Krankenhaus.
Zu Hause.
Oder nachts im Bett,
wenn die Gedanken laut werden.
[Ole]
Nachts sind Gedanken wirklich nervig.
[CF]
Ja.
Das stimmt.
Man liegt im Bett.
Eigentlich ist alles still.
Aber im Kopf wird es laut.
Man denkt an Streit.
An Sorgen.
An Dinge, die morgen kommen.
Oder an Sachen, die man falsch gemacht hat.
[Ole]
Ich denke nachts manchmal,
dass ich in Mathe plötzlich alles vergessen habe.
Sogar Plusrechnen.
[CF]
Das wäre wirklich schlimm.
[Ole]
Sehr lustig.
[CF]
Und Erwachsene kennen das auch.
Manche sorgen sich um ihre Gesundheit.
Andere um ihre Familie.
Oder um Geld.
Oder um die Nachrichten,
die jeden Tag schlechter werden.
Dann fühlt sich die Welt manchmal schwer an.
Und genau zu solchen Menschen sagt Gott:
Ich habe dich geschaffen.
Ich habe dich gemacht.
Hab keine Angst.
Ich lasse dich nicht verloren gehen.
Ich habe dich mit Namen gerufen.
Du gehörst zu mir.
[Ole]
Aber wie macht Gott das denn?
Also…
nicht verloren gehen?
[CF]
Nicht immer so,
dass sofort alles leicht wird.
Aber Menschen merken:
Da trägt mich etwas.
Da hält mich jemand fest.
Ich bin nicht egal.
Ich falle nicht ins Nichts.
[Ole]
Wie ein Sicherheitsgurt?
[CF]
Ja.
Vielleicht ein bisschen so.
Nur fürs ganze Leben.
[Ole]
Das wäre auch gut im Auto.
[CF]
Definitiv.
[CF]
Gott sagt nicht:
„Alles wird sofort gut.“
Er sagt:
„Ich bin da.“
Das ist etwas anderes.
Nicht jede Angst verschwindet sofort.
Nicht jede Krankheit.
Nicht jeder Streit.
Manchmal muss man trotzdem durch schwere Zeiten hindurch.
Aber Gott sagt: Ich gehe mit.
Niemand muss allein hindurchgehen.
[Ole]
Auch Mila und Elin nicht?
[CF]
Auch Mila und Elin nicht.
Heute haben wir ihre Namen laut gehört.
Ganz bewusst.
Denn Gott kennt diese Namen schon lange.
Noch bevor die beiden laufen konnten.
Noch bevor sie sprechen konnten.
Gott sagt:
„Du gehörst zu mir.“
[Ole]
Das ist eigentlich schön.
[CF]
Ja.
Sehr schön.
Und vielleicht brauchen Menschen genau das.
Nicht zuerst perfekte Antworten.
Sondern jemanden, der bleibt.
[Ole]
Wie ein richtig guter Freund?
[CF]
Ja.
Oder wie Licht,
wenn es dunkel wird.
[CF]
Darum taufen wir mit Wasser.
Wasser kann man spüren.
Es läuft über den Kopf.
Manchmal erschrickt man kurz.
[Ole]
Ich würde erschrecken.
Sehr.
[CF]
Das glaube ich sofort.
Aber das Wasser ist ein Zeichen:
Gott schenkt Leben.
Und Gott bleibt.
Die Taufe sagt:
Du gehst nicht allein durchs Leben.
Nicht in den guten Tagen.
Und nicht in den schweren.
[Ole]
Auch nicht bei Mathearbeiten?
[CF]
Auch da.
[Ole]
Dann brauche ich dringend mehr Taufe.
[CF]
Die Taufe brauchst du nur einmal!
Gott gibt sein Versprechen und er hält es.
Er vergisst es nicht.
Man muss das nicht "wieder auffrischen", damit es noch gilt.
Aber man darf sich daran erinnern.
Das ist das, was wir "glauben" nennen.
Die Taufe erinnert uns:
Du musst dein Leben nicht alleine tragen.
Es ist gut, wenn man andere Menschen hat, die mit gehen.
Familie.
Freundinnen und Freunde.
Aber, selbst wenn da niemand sonst wäre:
Gott ist immer da.
Ihn haben wir, selbst wenn wir keinen sonst haben!
Oder, besser gesagt: Er hat uns.
Das macht das Leben ganz besonders.
Es verändert etwas.
Wer getauft ist, ist nicht mehr ganz allein.
Wir gehören zusammen.
Und wir gehören zu Gott.
Darum feiern wir Taufe ja auch zusammen.
Nicht heimlich.
Sondern mitten in der Gemeinde.
Weil niemand allein glauben muss.
Darum brauchen wir einander:
Menschen, die mit hoffen. Die mittragen. Mit lachen.
Und manchmal auch mit weinen.
[Ole]
Vielleicht feiern wir ja deshalb Gottesdienst:
Damit man nicht allein warten muss.
[CF]
Ja.
Vielleicht genau deshalb.
Die Freundinnen und Freunde von Jesus mussten das erst lernen:
Jesus ist nicht sichtbar da.
Und trotzdem ist Gott nah.
Anders als vorher.
Aber nicht weg.
Jesus hat seine Menschen nicht vergessen.
Darum taufen wir.
Darum hoffen wir.
Das gilt bis heute.
Wir warten oft.
Auf Frieden.
Auf Heilung.
Auf gute Nachrichten.
Auf weniger Angst.
Vieles bleibt Zwischenzeit.
[Ole]
Zwischenzeiten mag ich nicht.
Da weiß man nie,
was passiert.
[CF]
Ja.
Zwischenzeiten sind anstrengend.
Wenn man wartet.
Wenn man unsicher ist.
Wenn man nicht weiß,
wie es weitergeht.
Und trotzdem sagt Gott mitten hinein:
„Ich lasse dich nicht verloren gehen.“
[Ole]
Das ist fast wie:
„Du bist nicht allein.“
[CF]
Genau.
Und manchmal ist das schon sehr viel.
[CF]
Vielleicht bleibt nicht immer ein großes Gefühl.
Vielleicht gibt es Tage,
an denen der Glaube ganz klein ist.
Oder Tage,
an denen man gar nicht richtig beten kann.
Aber manchmal reicht ein Satz.
Ein Satz,
den man mitnehmen kann.
In die Schule.
Ins Krankenhaus.
In schwere Zeiten.
In schöne Zeiten.
Für Mila.
Für Elin.
[Ole]
Für Ole!
[CF]
Für dich.
Für mich.
„Ich habe dich mit Namen gerufen.
Du gehörst zu mir.“
Amen.
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