Predigt
Zuerst geliebt
Ein Lob des treuen Gottes
Wir loben Gott für seine Größe. Für die Schönheit seiner Schöpfung. Für seine Treue. Doch das größte Wunder ist vielleicht ein anderes: Gott liebt nicht, weil wir groß, stark oder erfolgreich sind. Er liebt zuerst. Und genau darin liegt die Freiheit, die unser Leben verändern kann.

Gottesdienste und Anlässe
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12.07.2026
· 10:30 Uhr
· Stephanskirche
Taufgottesdienst mit Lobliedern
Audio
Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Von Gott Geliebte,
stimmt ihr mit ein in das Lob Gottes, der so einzigartig ist?
Unendlich. Unfassbar. Jenseits aller Vorstellungskraft.
Ein Wort von ihm schafft das Universum. Licht leuchtet in der Dunkelheit. Schönheit entsteht aus Chaos.
Er spannt den Himmel über die Erde. Er gibt Sonne, Mond und Sternen ihren Platz.
Er lässt Schnee auf hohe Berge fallen. Er füllt die Meere mit Leben. Er kennt den Flug des Adlers. Er gibt den Bienen ihren Weg zu den Blüten.
Er schenkt jedem Menschen den ersten Atemzug. Und jeden Morgen geht seine Welt wieder auf.
Man kann nur staunen über das Werk seiner Hände.
Er gibt den Zitronenfaltern ihr leuchtendes Gelb. Er zeigt den Lachsen den Weg zurück zu ihrem Fluss. Er lässt Seegras in den Wellen tanzen. Er malt jedem Schneekristall ein anderes Muster. Er gibt den Spinnen ihr feines Netz. Er versteckt den Duft im Holunder. Er legt den Duft in den Wald nach einem Sommerregen.
Man erzählt von seinen Wundern. Man kann nicht aufhören zu staunen.
Das Lob des großen Gottes füllt die Geschichten Israels.
Von Generation zu Generation erzählen sie, was Gott getan hat.
Er hat Abraham gerufen. Sara hat über Gottes Versprechen gelacht. Mirjam hat nach der Rettung getanzt. Gott hat das Meer geteilt. Er hat sein Volk durch die Wüste geführt. Er hat Brot vom Himmel gegeben. Er hat Wasser aus dem Felsen fließen lassen.
Vielleicht das größte aller Wunder: Gott bleibt seinen Menschen treu. Israel weiß davon viel zu erzählen: Von der Sklaverei in Ägypten. Vom Weg durch die Wüste. Vom Einzug ins gelobte Land. Gott erwählt sich ein Volk.
Nicht, weil die anderen Völker Gott egal wären. Gott beginnt mit Israel seine Geschichte für die Welt.
Das ist die Urerzählung, aus der Israel lebt. Das ist das Versprechen, an dem man sich festhält, gerade auch dann, wenn im Alltag die Hoffnung fehlt: Gott schließt einen Bund mit seinem Volk. Er bindet sich an sie. Und lädt sie ein, sich an ihn zu binden.
Immer wieder wird davon erzählt. Man schreibt die Geschichte weiter durch die Höhen und Tiefen der Königszeit. Man erzählt sich davon im Exil in Babylon. Man holt die alten Texte neu hervor. Als Israel von früherer Größe längst nur noch träumt.
Gott schließt einen Bund mit seinem Volk. Hört noch einmal, was man davon erzählt. Damals. An der Grenze zum verheißenen Land. Mose ruft das Volk zusammen. Das Deuteronomium (5. Mose) erzählt:
Ihr seid Gottes Volk. Der HERR ist euer Gott. Gott hat euch für sich ausgewählt. Von allen Völkern auf der Erde sollt ihr sein Volk sein.
Nicht wegen eurer Größe. Ihr seid sogar ein kleines Volk.
Sondern: Gott liebt euch. Gott hält sein Versprechen. Das hat er euren Vorfahren gegeben. Darum hat Gott euch aus Ägypten herausgeführt. Er hat euch aus der Sklaverei befreit. Der König von Ägypten hatte Macht über euch. Gott hat euch gerettet.
Darum sollt ihr wissen: Nur der HERR ist Gott. Auf Gott könnt ihr euch verlassen. Gott hält sein Versprechen. Gott ist gut zu den Menschen, die ihn lieben. Sie halten sich an seine Gebote. Für diese Menschen reicht Gottes Treue über tausend Generationen.
Aber: Wer Gott hasst, dem gibt Gott direkt zurück, was er getan hat. Gott vernichtet ihn. Gott wartet nicht.
Darum: Haltet euch heute an alle Gebote Gottes. Lebt danach.
Wenn ihr auf diese Gebote hört, und danach lebt, dann hält Gott seinen Bund. Er hält euch die Treue. Das hat er euren Vorfahren versprochen. (Deuteronomium 7,6-12; von mir in leichte Sprache übertragen).
"Nicht weil ihr groß seid..."
Was für ein Satz.
Ich glaube, wir hören ihn heute anders als die Menschen damals.
Denn wir leben in einer Welt, in der fast alles ein „weil" hat.
Du bekommst Anerkennung, weil du gute Arbeit machst.
Du wirst eingestellt, weildu geeignet bist.
Du bestehst eine Prüfung, weil du gelernt hast.
Du bekommst Applaus, weildu etwas kannst.
Und manchmal schleicht sich dieses Denken sogar in unser Inneres.
Bin ich liebenswert, weil ich erfolgreich bin?
Bin ich wichtig, weilich gebraucht werde?
Bin ich etwas wert, weil ich funktioniere?
Israel hört: Nicht weil ihr groß seid. Nicht weil ihr stark seid. Nicht weil ihr mehr seid als andere. Sondern weil Gott euch liebt. Und weil Gott sein Versprechen hält.
Jahrhunderte vergehen. Viele vergessen den einen Gott. Dann bricht die politische Katastrophe über das Land herein: Eine Großmacht zerstört Jerusalem. Menschen verlieren Haus und Heimat. Israel wird weggeführt. Exil. Ferne. Heimatlos. 70 Jahre lang.
Als sie heimkommen, sind sie niemand. Gestrandet in der Geschichte. Eine kleine Gruppe unter vielen. Provinz. Unbedeutend. Unbeachtet.
In Israel greift man zu den alten Geschichten. Man erzählt. Man hört zu. Man staunt.
Nur der Herr ist Gott. Er ist euer Gott.
Ihr seid sein Volk.
Nicht weil ihr groß seid. Sondern weil Gott euch liebt. Und weil Gott sein Versprechen hält.
Das ist der Gott Israels.
Ein Gott, der aus Liebe erwählt.
Ein Gott, der nicht auf Leistung schaut. Nicht auf Ansehen. Nicht auf Verdienste. Nicht einmal auf Zeichen von Frömmigkeit.
Gott liebt.
Gott hält sein Versprechen.
Aber der Predigttext verschweigt auch die andere Seite nicht.
Er spricht harte Worte.
Der Bund mit Israel ist Gott nicht gleichgültig. Ihn zu verlassen, bleibt nicht ohne Folgen. Der Text spricht dabei von einem Gott, der selbst richtet. Das bleibt eine Zumutung. Das sind Worte, an denen auch ich nicht einfach vorbeikomme.
Gerade deshalb frage ich: Wie hören wir Christ:innen diesen Text?
Diese Worte gelten zuerst Israel. Das bleibt so. Auch im Neuen Testament. Auch im christlichen Glauben. Die Kirche--wir--ersetzen Israel nicht.
Paulus findet dafür ein schönes Bild. Wir sind wie Zweige, die in einen alten Ölbaum eingepfropft werden. Die Wurzel trägt uns. Nicht wir die Wurzel.
Darum dürfen auch wir diese Worte hören. Nicht an Israels Stelle. Sondern an Israels Seite. Als Teil des Gottesvolks. Durch Jesus Christus schenkt Gott auch uns Anteil an seiner Verheißung. Durch Jesus Christus dürfen auch wir von Israels Hoffnung leben. Wir werden mitgetragen von Gottes Treue zu seinem Volk.
In Jesus Christus erkennen wir, dass der Gott Israels derselbe bleibt.
Der Gott, der liebt.
Der Gott, der befreit. Er sieht Menschen, denen andere die Luft zum Leben nehmen. Er hört die, deren Stimme niemand hören will.
Der Gott, der seinen Bund hält. Sogar bis in den Tod. Und darüber hinaus. Am Kreuz gibt er seine Liebe nicht auf. Und an Ostern zeigt er: Seine Treue ist stärker als der Tod.
Vielleicht ist das die größte Überraschung. Auch unsere Geschichte beginnt nicht bei uns.
Sie beginnt mit Gott.
In der Taufe spricht Gott zuerst.
In Jesus Christus kommt dieser Gott zu uns. Er spricht Menschen an. Er ruft sie in seine Nachfolge. In seinem Auftrag werden wir auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft..
In der Taufe spricht Gott zuerst.
Nicht weil wir schon glauben. Nicht weil wir schon verstanden haben. Nicht weil wir gut genug wären.
Sondern weil Gott liebt.
Im Wochenspruch haben wir es gehört:
„Fürchte dich nicht. Ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein."
Das Wasser auf der Stirn ist längst getrocknet. Gottes Versprechen nicht. Auch dann nicht, wenn ich selbst kaum glauben kann.
In Jesus Christus bekommt dieses Versprechen ein Gesicht. In ihm spricht Gott sein Ja. Und dieses Ja nimmt er nicht zurück.
Jesus lebt genau diese Liebe Gottes.
Er sucht nicht die Großen. Nicht die Erfolgreichen. Nicht die Angesehenen.
Er spricht mit Frauen, die andere übersehen. Er berührt Kranke. Er isst mit Menschen, die als schuldig gelten.
Wieder hören wir:
Nicht weil.
Sondern weil Gott liebt.
"Du bist mein.", sagt Gott. Dieses Wort beschreibt nicht nur, wer du bist. Es macht dich neu.
Genau an dieser Stelle endet das Deuteronomium nicht. Sondern hier beginnt etwas.
Gottes Liebe ist nie das Ende einer Geschichte. Sie ist immer ein Anfang. Das ist es doch, was wir an Ostern feiern. Gottes Liebe öffnet Türen für Neues. In unserer Welt. In meinem Leben.
Für Menschen, die keine Zukunft mehr sehen. Für eine Erde, die unter uns leidet. Für Frieden, der noch nicht da ist.
Darum: Haltet euch heute an alle Gebote Gottes. Lebt danach.
Das ist nicht die Bedingung für Gottes Liebe. Es ist die Antwort darauf. Sein Zuspruch steht vor jedem Anspruch an uns.
Nicht: Lebt gut, damit Gott euch liebt. Sondern: Gott liebt euch. Darum lebt.
Wie antwortet man auf so eine Liebe?
Mit einem Lied? Ja. Aber nicht nur.
Man kann Gott mit Worten loben. Das haben wir heute Morgen getan.
Wir können Gott aber auch mit unserem Leben loben.
Wer Gottes Liebe vertraut, richtet sein Leben nach ihm aus.
Nicht aus Angst. Nicht um sich etwas zu verdienen.
Sondern aus Dankbarkeit.
Gottes Lob bekommt Hände und Füße.
Dann, wenn ich nicht zuerst frage: "Was muss ich?"
Sondern: "Wie kann mein Leben Gott loben?"
Wenn ich mein Wort halte. Wenn ich einem Menschen vergebe. Wenn ich nicht zurückzahle. Wenn ich dem Schwächeren beistehe. Wenn ich ehrlich bleibe, obwohl es Nachteile bringt. Wenn ich widerspreche, wo Menschen klein gemacht werden. Wenn ich nicht schweige, nur weil Schweigen bequemer wäre.
Wenn ich Hoffnung säe, obwohl vieles dagegen spricht.
Wenn mein ganzes Sein ein Zeugnis davon ist:
Gott liebt uns. Er hält sein Versprechen.
Wir haben heute viele Loblieder gesungen.
Gleich singen wir wieder.
Und morgen?
Morgen beginnt vielleicht das wichtigste Loblied. Nicht mit einer Melodie. Sondern mit einem Leben, das auf Gottes Liebe antwortet.
Denn Gott ist mit seiner Geschichte mit uns noch nicht am Ende! Er schreibt sie weiter. Seine Zukunft ist größer als unsere Vergangenheit.
Voller Lob.
Zuerst geliebt. Darum leben. Darum Gott loben.
Amen.
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